„Wir sind nicht nur Arschabwischer, wir sind ein Stück Familie.“ Auch wenn längst nicht jede Zeile so derb daherkommt, die Mission von Ferdi Cebi aka. Idref ist klar: Wer sich für Alte, Kranke und Menschen mit Behinderung engagiert, verdient mehr Wertschätzung. Es fehlt das Geld, es fehlt der Respekt. Entsprechend kritisiert, lobt und kämpft der 35-Jährige in seinen Songs. Er will Sprachrohr sein, um andere Pflegende zu erreichen, ihnen Mut zu machen: „Wir geben alles, als wäre es unser Leben.“

Cebi weiß, wovon er redet: Seit vierzehn Jahren arbeitet er im Paderborner St. Johannisstift. Bereits kurz nach seinem Zivildienst war klar, dass er hier seinen Traumberuf gefunden hatte: „Die Arbeit mit den alten Menschen machte mir viel Spaß und ich lernte dadurch schnell, erwachsen zu werden“, sagt Cebi. Das mag auch damit zusammenhängen, dass er es mit seiner Arbeitsstelle gut getroffen hat: Sein Gehalt reicht, die Arbeitszeiten sind in Ordnung, der Personalschlüssel auch.

Doch das ist eben nicht überall so. Darum erhebt er seine Stimme gegen Missstände im System. „Dieser Beruf verdient mehr Anerkennung und benötigt bessere Rahmenbedingungen. Die Menschen werden immer älter und schon jetzt herrscht ein großer Personalmangel. Es muss sich endlich etwas ändern.“ Oder wie er es in seinem Song „Für die Pflege“ zusammenfasst: „Wenn es so weitergeht, heißt es gute Nacht!“ Sein Engagement gilt dabei den alten Menschen, die ein Recht auf gute Betreuung besitzen ebenso wie seinen Kollegen, die mit schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen zu kämpfen haben. „Die Menschen, die unser Land wieder aufgebaut haben, verdienen eine gute Versorgung. Außerdem ist es einfach ein schöner und abwechslungsreicher Beruf, der wieder attraktiver gemacht werden muss. Wir müssen dabei an die Zukunft aller denken“, sagt Cebi, der seine Gedanken nun bereits seit 20 Jahren zu Papier bringt und seit 2010 auch musikalisch an die Leute.

Idrefs Texte sind dabei immer persönlich, immer nah dran an seinem Leben und seiner Arbeit. Kein Wunder also, dass das Thema Pflege mittlerweile einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Für seine Kollegen und auch für die Heimbewohner hat seine Kunst einen schönen Nebeneffekt: Sie dürfen sich regelmäßig von seinen Rapkünsten überzeugen. Für das Album "Lebensmusik" – das 2016 erschien – drehte er gemeinsam mit „seinen“ Senioren ein Musikvideo – ungeschönt und direkt.
Diese Art kommt an. Mittlerweile wird Ferdi Cebi auch von anderen Einrichtungen gebucht. Er hat öffentliche Auftritte, etwa bei Pflegedienstleistern oder im März 2017 auf dem Deutschen Pflegetag in Berlin. „Ich höre immer wieder, dass meine Texte andere beeindrucken und ich viele Menschen damit erreiche. Das macht mich sehr glücklich. Ich will die Welt ein bisschen verbessern und freue mich, wenn meine Songs Anklang finden.“

Jetzt, mit Mitte 30, hat sich Ferdi sein erstes Auto geleistet. Das erleichtert ihm die Wege zwischen der Arbeit und seinen Auftritten sehr. Es macht ihn mobil aber nicht bequem. Bereits 2018 kommt sein neues Album raus. Der Beruf als Altenpfleger steht für ihn jedoch immer an erster Stelle. „Wenn ich mit der Musik mehr Erfolg hätte, würde ich eventuell meine Stundenzahl reduzieren, aber ganz aufgeben könnte ich diesen Job wohl nie.“