Wie sieht die perfekte Wohnumgebung für Best Ager aus?

Ich würde nicht sagen, dass es hierfür ein non plus Ultra gibt. Die perfekte Wohnumgebung hängt ja auch immer vom Typ Mensch ab. Ist jemand Naturfreund oder eher Stadtkind? Das spielt natürlich eine entscheidende Rolle in der Wahl des Wohnortes. Aber es gibt sicher auch einige Faktoren, die das Leben im Alter vereinfachen und auch angenehmer gestalten könnten.

Hierzu gehört zum Beispiel die Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, denn nicht jeder fährt in reifen Jahren noch gerne mit dem Auto. Dann sind lange Wege zur nächsten Bushaltestelle, im schlimmsten Fall bepackt mit schweren Einkaufstaschen, ein K.O.-Kriterium.

Besonders schön ist es, wenn die Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nachbarschaft sind. Vielleicht sogar eine kleine Einkaufsstraße für einen Schaufensterbummel und ein kleines Café ums Eck zum Kaffeeklatsch. Freunde und lieb gewonnene Nachbarn möchte man sicherlich auch gerne beim Älterwerden in der Nähe haben.

Wie können Best Ager ihre Wohnung oder ihr Haus „fit fürs Alter“ machen?

Ein großes Stichwort ist „barrierefrei wohnen“. Ohne große Umbaumaßnahmen kann man Stolperfallen, wie Schwellen oder rutschende Teppiche beseitigen. Eine bodengleiche Dusche erleichtert den Einstieg erheblich. Griffe und Schalter können das Leben erheblich erleichtern und es gibt sie auch mittlerweile in schönen Designs, die nicht direkt nach Krankenhaus anmuten. Viel Komfort erhält man durch bewegungsgesteuerte Beleuchtung. Der nächtliche Gang ins Bad, bei dem man aus Bequemlichkeit nicht das Licht einschaltet, ist leider oftmals eine Gefahr für Stürze und das muss nicht sein.

Was oft unterschätzt wird, sind Möbel in der sogenannten Komforthöhe. Ich kann aber nur zu Sesseln oder Betten, die in der Höhe angepasst sind raten. Der Ein- oder Ausstieg wird dadurch ungemein erleichtert. Keiner will so ein „Seniorenbett“, aber selbst ich freue mich im Hotel über so ein „hohes Bett“. Man startet direkt ganz anders in den Tag. Ein ehemaliges Kinderzimmer wird oft als Abstellkammer genutzt. Hier rate ich, rechtzeitig auszumisten und daraus einen Wellnessraum zu machen. Vielleicht mit Sprossenwand und Heimtrainer, damit man ausreichend Bewegung hat und sich agil hält.

Es sollte aber nicht nur ans Haus gedacht werden. Auch der Garten sollte im Alter pflegeleichter angelegt werden. Hochbeete entlasten den Rücken und professionelle Hilfe für schwere Arbeiten, die früher leichter von der Hand gingen ist ratsam. So kann die Zeit und die Kraft für die Arbeiten im Garten genutzt werden, die auch wirklich Spaß macht.

Wann sollte man damit beginnen seine Wohnumgebung altersgerecht zu gestalten?

Ganz banal gesagt: Bevor es zu spät ist. (lacht) Leider ist es oft der Fall, dass das Alter schneller auf einen Menschen zukommt als gedacht und dann fehlt meinst die Kraft, sich mit Dingen wie Gartenpflege oder bei Einrichtungsfragen selbst zu helfen. Warum nicht so früh wie möglich so planen, damit es auch noch im Alter passt. Was einem im Alter das Leben erleichtert, macht es ja nicht in jungen Jahren schwieriger.

Auf was sollte besonders geachtet werden?

Altersgerecht hin oder her, man sollte nie vergessen, dass die eigenen vier Wände nicht nur aus pragmatischer Sicht gestaltet sein sollten. Denn das Zuhause ist immer Mittelpunkt des Lebens und Rückzugsort an stressigen und unausgeglichenen Tagen. Es ist daher besonders wichtig, dass man die Wohnung oder das Haus nach eigenen Vorstellungen gestaltet und sich so seine ganz persönliche Wohlfühloase schafft. Nichts desto trotz, kann man mit nur ein paar einfachen Kniffen/Handriffen spätere Hürden des Alltags beseitigen.

Kommen wir zum Thema Raumgestaltung. Bitte geben Sie den Lesern zehn Tipps, auf was Sie bei der Einrichtung und Gestaltung ihrer Wohnung besonderen Wert legen sollten.

Besonders sollte man auf Qualität achten denn höchstwahrscheinlich renoviert man das letzte Mal das Badezimmer oder tauscht die Küchenmöbel aus. Nachbessern oder sogar eine neue Renovierung ist dann später oft aus gesundheitlichen Gründen mehr als Nerv raubend wenn nicht gar unmöglich.

Im Bereich der Möbel/Accessoires sollte man sich dann eher auf das wirklich wichtige konzentrieren, denn allzu viele Kleinmöbel und oder Bodenvasen können einem später das Durchkommen in der eignen Wohnung erschweren und zum Hindernis werden. Die Deko gehört also eher an die Wand.

Auch Farben gehören im Alter in den Alltag, aber als Tipp sollte man sich vielleicht auf eine neutrale Grundfarbe in Pastell reduzieren und dann Akzente mit intensiveren Farbfeldern oder Tapeten setzen. Die hat man auch schneller ausgetauscht oder überstrichen!

Licht ins Dunkel ist auch ein wichtiges Stichwort, viele kleine Lichtinseln sind hübsch und praktisch. Natürlich dient dies zur Gemütlichkeit aber zur Orientierung leistet Licht auch wunderbare Dienste. Wenn man nachts im Flur eine kleine Akzentleuchte - mit LED-Leuchtmittel ausgestattet - leuchten lässt, verhindert dies Orientierungslosigkeit und sorgt gleichzeitig für Behaglichkeit.

Wenn die Kinder aus dem Haus sind, sollte man frühzeitig neuplanen und das Haus clever unterteilen. Idealerweise mit separatem Zugang. So kann man später eine Einliegerwohnung abteilen und dessen Mieter kann bei der Gartenarbeit oder dem „House-Keeping“ bei langen Reisen unterstützen.

Wahlheimaten schaffen. Wer über die finanziellen Möglichkeiten verfügt kann sich beide tollen Optionen offen halten, das kulturelle und lebendige Stadtleben und die entspannte Landpartie. Beide Einheiten sollten aber nur so groß sein, dass Sie als Ganzes einfach zu unterhalten und zu pflegen ist.

Im Altern hat man auch Zeit für Reisen und möchte auch dennoch nicht auf Grünpflanzen verzichten. Pflanzengranulat welches Wasser speichert oder spezielle Pflanztöpfe mit Wasserreservoir lassen einen entspannt reisen, erleichtern aber auch den Alltag ohne den Spaß am Grünen zu mindern.

Da aber auch das Reisen irgendwann beschwerlicher wird, sollte man schon frühzeitig an den Platz an der Sonne zu Hause denken und einrichten. Wenn möglich eine zusätzliche Terrasse/Balkon bspw. von der Küche nach draußen planen - ein normales Fenster kann durch ein bodentiefes Fenster als Zugang ohne erheblichen Aufwand ersetzt werden.

Sitzgelegenheiten sind im Alter willkommen. Ob im Flur, im Bad oder in der Nähe des Kleiderschrankes. Sitzen ist hier komfortabel und erleichtert den Alltag bei der Pflege und beim Anziehen - gerade bei diesen Einzelstücken erfreut sich Auge und Körper an Designerstücken.

Küchenplanung hoch (aber nicht zu hoch) hinaus! Natürlich sollte man nicht auf Arbeitsfläche und Unterschränke verzichten, aber vor allem Backofen auf rückenfreundlicher hoher Höhe oder auch ein Geschirrspüler können einem den Alltag enorm erleichtern. Dies kann man bereits in jungen Jahren so einplanen, was einem auch später das Leben noch erheblich erleichtern wird. Zu hohe Schränke sind allerdings im Alter nur noch kaum zu erreichen. In der Mitte liegt die Kraft.