Herr Schwöbel,Sie sagen: „Lichtqualität ist Lebensqualität“. Bitte erklären Sie genauer, was Sie damit meinen.

Licht hat einen starken Einfluss auf unsere Stimmungslage. Gerade die Qualität des künstlichen Lichts definieren wir nicht nur nach normgerechter Beleuchtung, sondern besonders im Bereich Licht und Gesundheit auch nach Dynamik und biologischer Wirkung.

Wie wirkt Licht auf den menschlichen Körper?

Wir Menschen folgen in unseren Körperfunktionen den tages- und jahreszeitlichen Rhythmen. Dazu orientieren wir uns vor allem an Tag und Nacht. Licht ist also der entscheidende Taktgeber für unsere sogenannte „innere Uhr“. Hier kommt das Schlafhormon Melatonin ins Spiel. Es entschleunigt die Körperfunktionen und wirkt entspannend für die Nachtruhe. Mit Tageslicht wird die Sekretion dieses Hormons gebremst. Ist alles im Einklang, haben wir einen optimalen Tag-Nacht-Rhythmus.

Entsteht aber tagsüber ein Lichtmangel, gerät unsere innere Uhr aus dem Takt. Jeder kann diese Erfahrung in der Herbst- und Winterzeit an sich selbst spüren.

Was sollte man bei der Montage von Beleuchtungssystemen beachten?

Damit Licht richtig wirken kann, müssen unsere Augen helle Bereiche im Raum auch optimal wahrnehmen. Leuchten sollten da eher großflächiger sein und, wenn möglich, auch die Decke etwas aufhellen, um den natürlichen Horizont nachzuempfinden.

Können ausgefeilte Beleuchtungssysteme, die auf die Bedürfnisse von Demenzkranken abgestimmt sind, den Patienten helfen? Wenn ja, wie ist das möglich?

Bei den Demenzkranken ist oft die innere Uhr aus dem Gleichgewicht geraten. Sie sind nachts von innerer Unruhe befallen und am Tag inaktiv. Hier kann mit einer circadianen Beleuchtung eine optimale Unterstützung gegeben werden. Je nach Tageszeit wird das benötigte künstliche Licht aus warmweißen (Rotanteile) mit tageslichtweißen (Blauanteile) Lichtquellen gemischt.

Gerade dort, wo wenig Tageslicht vorhanden ist (auch jahreszeitenbedingt) können wir dadurch das Wohlbefinden deutlich verbessern. Nachts ist beispielsweise ein Flur ausschließlich warmweiß beleuchtet und am frühen Morgen beginnen wir mit der Mischung der Lichtfarben – alles läuft in einem vorgegebenen Automatismus.

In welchen Bereichen ist ein ausgefeiltes Lichtkonzept sinnvoll und wie kann man dies umsetzen?

Das circadiane Licht sehen wir heute im Pflege- und Klinikbereich. Im Seniorenheim reicht der Einsatz von Kommunikationsbereichen (Basteln, Kochen, soziale Aktivität) über den Flur bis hin zum Bewohnerzimmer mit Bad und WC. In Kliniken ist dieses Licht für Zimmer der Normal- und Intensivpflege von hohem Interesse.