Herr Rütter, Ihre Mutter ist an Demenz erkrankt. Wann und wie wurde die Diagnose gestellt, und wie sind Sie als Familie damit umgegangen?

Also zunächst einmal muss ich sagen, dass meine Mutter an einer sogenannten frontotemporalen Demenz leidet. Diese Form der Demenz zerstört innerhalb des Gehirns die sozialen Kompetenzen und bringt es mit sich, dass die Betroffenen oft nicht mehr sozial adäquat reagieren können. Die Diagnose erhielten wir vor gut fünf Jahren.

Uns als Familie hat das natürlich sehr traurig gemacht. Wir waren erst einmal sehr verzweifelt. Heute haben wir das Gefühl, dass uns die Demenz auch auf eine Art zusammengeschweißt hat. Sicherlich ist der Schrecken einer Demenz groß, aber wir haben mittlerweile auch wieder unheimlich viel Spaß mit meiner Mutter, es gibt wahnsinnig viele schöne und auch lustige Momente.

Wie hat sich die Krankheit im Alltag bemerkbar gemacht, und welche Anzeichen gab es?

Ich bin der Meinung, dass meine Mutter schon als junge Frau erkrankt ist. Um ehrlich zu sein, hatte ich diesen Eindruck bereits von Kindesbeinen an. Meine Mutter hat schon damals Dinge gemacht, die sehr ungewöhnlich waren. Nehmen wir ein Beispiel: Wenn meine Mutter auf der Trauerfeier meiner verstorbenen Cousine deren Mutter mit den Worten „Ja, ich kann verstehen, wie traurig du bist, der Martin ist ja auch nicht oft zu Hause“ trösten will, dann ist das schon bizarr. Von solchen Erlebnissen könnte ich viele schildern.

Wie nehmen Sie die Krankheit wahr?

Auf ganz verschiedenen Ebenen. Neben den eingangs beschriebenen schönen Momenten ist da natürlich auch die Tatsache, dass meine Mutter in der Endphase dieser Erkrankung ist. Das heißt, jetzt kommen die ganz typischen Sachen, dass einfachste Dinge nicht mehr möglich sind. Sie kann nicht mehr sprechen, sie kann nicht mehr eigenständig essen, sie ist also wirklich absolut pflegebedürftig. Das ist natürlich schon etwas, was einen wahnsinnig traurig macht, wenn man so mit ansehen muss, wie es der eigenen Mutter immer schlechter geht.

Sie sind viel unterwegs. Wie gehen Sie als Sohn beruflich sowie privat mit Ihrer an Demenz erkrankten Mutter um?

Das ist richtig, ich bin viel unterwegs. Aktuell mit meiner Livetour „FREISPRUCH!“, aber auch immer wieder im Rahmen von Dreharbeiten für den „Hundeprofi“. Zeit für meine Mutter nehme ich mir aber ganz bewusst. Ich besuche sie, so oft es geht. Manchmal schaffe ich es nur zweimal im Monat, manchmal dreimal in der Woche. Also so wie alle Menschen, die auch eine eigene Familie haben und mitten im Leben stehen. Das Schöne ist: Besuch bekommt sie jeden Tag von meinem Stiefvater, der seit 30 Jahren an ihrer Seite ist.

Was geben Sie anderen betroffenen Familien für Tipps im Umgang mit Demenzkranken?

Das ist natürlich sehr individuell. Als ganz wichtig empfinde ich es aber, nicht zu zögern, wenn es darum geht, professionelle Hilfe zu suchen! Das ist meine Kernbotschaft.