Verständlicherweise wünschen sich die meisten Menschen danach eine Betreuung in den eigenen vier Wänden. In den meisten Fällen springen dann Angehörige ein. Aufgrund fehlender Pflegekräfte in Deutschland und angesichts demografischer Alterung nimmt dieser Trend zu. Engagierte Laien, die in die Rolle von Pflegern schlüpfen, sind für die Gesellschaft daher unverzichtbar.

Enorme Belastung

Wenn die Tochter die Rolle wechselt und plötzlich zur Mutter ihrer Mutter wird, geht das aber mit einer enormen Belastung einher. Auch für den pflegenden Ehemann gilt: Alle Pflichten und Belastungen, die einst geteilt wurden, muss er nun plötzlich allein bewältigen.

Angehörige sollten daher gleich zu Beginn eine ehrliche Antwort auf folgende Fragen finden:

  • Bin ich den hohen körperlichen und seelischen Belastungen gewachsen?
  • Habe ich genug Freiräume, um regelmäßig Kraftreserven zu tanken?
  • Benötigt der zu Pflegende, zum Beispiel bei Demenz, professionelle Hilfe, die selbst ein motivierter Laie nicht bieten kann?

Denn schon aus Respekt zum Menschen, der Betreuung braucht, sollte auch der Pflegende gesund bleiben. Die Hilfe muss nicht allein auf den eigenen Schultern lasten. Längst lässt sie sich auf unterschiedliche Säulen verteilen, die das deutsche Gesundheitssystem anbietet.

Schnelle Hilfe

Erste einfache Hilfe bieten zum Beispiel Mittagstische. Zusätzlich gibt es Fahrtendienste, die jeden Vormittag ein Essen ins Haus bringen. Sozialstationen und Kliniken, die soziale Nachsorge betreiben, vermitteln ehrenamtliche Besuchsdienste oder Zivildienstleistende, die nach Absprache stundenweise oder länger nach Hause kommen.

Altenklubs und Altentagesstätten sind erfolgreich darin, Telefonketten zu bilden. Dabei schließt sich eine Gruppe von Betroffenen zusammen, die einander jeden Morgen zu einer bestimmten Uhrzeit in einer bestimmten Reihenfolge anrufen. Vermieden wird so, dass ein Patient über 24 Stunden hinaus hilflos in seiner Wohnung liegt.

Ambulante Dienste

Wenn die Pflege immer mehr Zeit in Anspruch nimmt, kann auch die normale Hausarbeit schwererfallen. Ambulante Dienste oder Minijobber stehen dann parat. Die Bundesagentur für Arbeit vermittelt auch viele ausländische Kräfte. Natürlich unterstützen Dienste auch bei der sogenannten Grundpflege: Dazu gehören Hilfestellung beim Baden, Waschen, An- und Ausziehen, beim Aufstehen und Zubettgehen, bei der Haar- und Mundpflege, der Aufnahme von Nahrung oder der Beobachtung des pflegebedürftigen Menschen. V

orteil der ambulanten Pflegedienste: Sie sind für ihre Patienten rund um die Uhr erreichbar, auch am Wochenende oder an Feiertagen.

Service rund um die Uhr

Für eine noch intensivere Betreuung kommt eine Tagespflege infrage. Für Demenzkranke empfiehlt sich häufig eine Nachtpflege. Eine Kurzzeitpflege im Heim ist möglich, wenn der pflegende Angehörige selbst erkrankt oder im Urlaub ist.

Denn schließlich soll auch er nicht zu kurz kommen: Reichen die eigenen Freiräume nicht aus, laden Träger der freien Wohlfahrtspflege oder zahlreiche Selbsthilfeverbände zu Gesprächsrunden ein. Sozialarbeiter und Psychologen helfen darin, den schwierigen und belastenden Pflegealltag zu bewältigen.