270.000 Menschen pro Jahr erleiden in Deutschland einen Schlaganfall. Er ist die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. Ein Jahr nach dem Schlaganfall sind mehr als 60 Prozent der überlebenden Patienten weiterhin auf Therapie, Hilfsmittel oder Pflege angewiesen.

Die drei wichtigsten Grundsätze einer erfolgreichen Neurorehabilitation könnten demnach lauten: Üben, üben, üben!

Zu den häufigsten Schlaganfall-Folgen gehört die Halbseitenlähmung. Patienten können Arm und Bein einer Seite nicht oder nur eingeschränkt bewegen. Auch Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsstörungen kommen häufig vor, ebenso wie Sprachstörungen. Unterschätzt werden oft die psychischen Folgen. Etwa ein Drittel der Patienten entwickelt eine Depression, manche auch Angststörungen.

Worauf sich die berechtigte Hoffnung vieler Patienten stützt, nennen Wissenschaftler „Neuroplastizität“. Fällt ein Teil des Gehirns aus, ist es häufig in der Lage, Funktionen in andere Hirnareale zu verlagern. Dafür braucht es aber einen Lernprozess, der lang und anstrengend sein kann. Denn das Gehirn lernt am besten durch hochfrequentes Training und ständiges Wiederholen. Die drei wichtigsten Grundsätze einer erfolgreichen Neurorehabilitation könnten demnach lauten: Üben, üben, üben!

Die Zeiten, in denen man Patienten nach einem Schlaganfall strikte Bettruhe verordnete, sind längst vorbei. Heutzutage beginnt die Rehabilitation gleich auf der Stroke Unit (Schlaganfallstation). Je früher Reha einsetzt, das weiß man heute, desto größer ist die Aussicht auf Erfolg. Andererseits ist es aber nie zu spät für eine Therapie. Auch Jahre nach einem Schlaganfall können Patienten noch Fortschritte erzielen, wenn auch deutlich langsamer. Den Begriff „austherapiert“ lässt man in der Schlaganfall-Rehabilitation nicht mehr gelten.

Um die Neuroplastizität des Gehirns nutzen zu können, muss man es zunächst fördern und fordern

Zu kämpfen haben viele Patienten mit der notwendigen Motivation. Durchaus verständlich, denn immer wieder dieselbe, eintönige und anstrenge Arm- oder Beinbewegung zu machen stellt höchste Anforderungen an ihre Disziplin. Neuere Trainingsgeräte stellen deshalb den spielerischen Effekt in den Vordergrund. Da steuert der gelähmte Arm über Apparaturen ein Computerspiel, und auf der Jagd nach noch mehr Punkten und einem neuen Highscore bemerkt der Patient die Anstrengung kaum.

Das funktioniert in Kliniken zunehmend besser, selbst erste Praxen arbeiten mit Robotik-gestützten Geräten. Doch noch wichtiger ist das Eigentraining zuhause. Da ist die Motivation des Patienten wieder gefordert, deshalb sind Angehörige so wichtig. Hilfestellung dagegen ist in der Regel nicht erforderlich. Im Gegenteil: Um die Neuroplastizität des Gehirns nutzen zu können, muss man es zunächst fördern und fordern. Angehörige sollten sich deshalb dafür hüten, den Patienten zu viel abzunehmen. Auch wenn es manchmal schwerfällt.


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