Welchen Stellenwert hat das Thema Weiterbildung aktuell und in Zukunft für den Pflegebereich in Deutschland und welches Engagement zeigt hier die erste Landespflegekammer?

Mit der Entscheidung der Großen Koalition auf Bundesebene, eine generalistische Pflegeausbildung quasi scheibchenweise einzuführen, ist auch der Blick auf die Fort- und Weiterqualifizierung von beruflich Pflegenden wieder schärfer gerichtet.

Die berufliche Pflege ist ein hoch anspruchsvoller Beruf der jederzeit ein hochspezialisiertes Vorgehen erfordert. Schon jetzt besteht daher eine grundsätzliche Verpflichtung zu regelmäßiger Fort- und Weiterbildung für die Berufsangehörigen der Pflege. Allerdings fehlen verpflichtende gesetzliche bzw. berufsrechtliche Regelungen um diesen Bereich sicher zu gestalten. Diese Verpflichtung wird neben der Sicherstellung eines qualitativ hochwertigen pflegerischen Angebots natürlich auch der ganz persönlichen Weiterentwicklung der Kolleginnen und Kollegen dienen.

Leider ist die persönliche Möglichkeit, an entsprechenden Angeboten teilzunehmen immer noch zu sehr von den Rahmenbedingungen abhängig, die der jeweilige Arbeitgeber seinen Angestellten bietet. Diesem Umstand müssen wir entschieden entgegen treten. Zum einen, weil Pflegende die Möglichkeit zur inhaltlichen und fachlichen Expertisengewinnung benötigen, auch um weitergehende Aufstiegsmöglichkeiten zu erhalten. Zum anderen sind qualitativ hochwertige Weiterbildungen ein Garant für die Sicherstellung eines adäquaten Pflegeangebots im Land.

In Rheinland-Pfalz erstellen wir gerade als erste Pflegekammer in Deutschland eine Weiterbildungsordnung.

Damit ist in erster Linie auch den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen gedient. Die zunehmende wissenschaftliche Bearbeitung des Feldes der Pflege bringt fortlaufend neue und wichtige Erkenntnisse für eine bessere Pflegeversorgung ans Licht. Auch deshalb müssen sich die Berufsangehörigen kontinuierlich neues Wissen aneignen. Nicht zuletzt ist es aber auch ein immens wichtiger Wettbewerbsvorteil für die Arbeitgeber, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beschäftigen, die immer auf dem aktuellen Stand des Pflegewissens sind.

Eine der zentralen Aufgaben einer Landespflegekammer, wie bei allen Heilberufskammern deutschlandweit,  ist die gesetzlich fixierte Regelung der Fort- und Weiterbildung ihrer Mitglieder. Damit haben wir die Chance, passgenaue Angebote für die Entwicklung unseres Berufsfeldes selbst zu entwickeln und rechtlich zu regeln. In Rheinland-Pfalz erstellen wir gerade als erste Pflegekammer in Deutschland eine Weiterbildungsordnung, die laut Vorgabe des Heilberufsgesetzes zum 01. Januar 2018 in Kraft treten muss.

Diese Weiterbildungsordnung wird von Pflegenden für Pflegende gestaltet. Damit ist sichergestellt, dass fachliches Know-How und praktische Erfahrungen Eingang in die neuen Regelungen finden werden. Im zuständigen Ausschuss, der den Entwurf der Weiterbildungsordnung derzeit konzipiert, wirken auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Pflegewissenschaft mit. Dieser Umstand ist von besonderer Bedeutung, da somit auch immer die aktuellsten Erkenntnisse aus der Forschung in die von den Pflegenden durch die Kammer selbst geregelte Fort- und Weiterbildung einfließen können.

Die zukünftige, zumindest in ersten Ansätzen generalisierte Ausbildung hilft den Pflegenden, ein breites und umfassendes Kompetenzspektrum an die Hand zu geben. Ähnlich wie in anderen Berufen erfolgt dann in weiteren Schritten des Berufslebens eine Spezialisierung. Die Schaffung geeigneter Angebote zur Fort- und Weiterbildung wird daher fortan eine noch zentralere Rolle spielen und das damit intendierte lebenslange Lernen damit zu einem Erfolgsfaktor der Ausbildungsreform. Pflegekammern kommt auch deshalb eine hohe Bedeutung bei der Sicherstellung einer guten und hochwertigen Pflege zu. Der hier zu leistenden Beitrag kann daher nicht hoch genug eingeschätzt werden.

 

Information

Mehr Informationen erhalten Sie auf www.pflegekammer-rlp.de.