Als aktive Turnerin und Turntrainerin gewann Johanna Quaas schon vor Jahrzehnten viele Preise. Nun machte sie sich als Deutschlands älteste Wettkampfturnerin noch einmal einen Namen.

Wie geht es Ihnen, Frau Quaas, wie fühlen Sie sich?

Ich fühle mich eigentlich ganz gut! Ich habe nicht mehr so dolle Schulterprobleme, mache Übungen, die mir ganz gut geholfen haben.

Schulterprobleme?

Ja, schon das ganze Jahr. Vermutlich Arthrose, ich bekam Massagen, Reizstrom und so weiter. Bei der Visite sah ich Übungen, die mache ich täglich, das hat mir sehr geholfen.

Sport ist Ihre Leidenschaft – ein Leben ohne, können Sie sich das überhaupt vorstellen?

Nein. Ohne Bewegung könnte ich nicht leben. Ich hatte das Glück, mein Hobby zum Beruf machen zu können. Wenn es mit dem Turnen nicht mehr geht, gibt es andere Bewegungsarten, die mir Freude bereiten. Aber ich versuche dennoch, mich durch Grundübungen aus der Schulzeit, zum Beispiel Rollen, Räder, Hand-/Kopfstand oder Sprünge, fit zu halten.

Ihren ersten Wettkampf hatten Sie mit neun vor fast 80 Jahren!

Ja, das war 1934/35, da durfte ich das erste Mal an einer Kreismeisterschaft teilnehmen. Für die Sieger gab es einen Eichenzweig.

Dabei blieb es nicht. Sie sind dem Sport treu geblieben, was fasziniert Sie am Turnen?

Mich fasziniert das Beherrschen der Übungen an den Geräten und deren Vielseitigkeit. Zum Beispiel Boden, Barren, Reck, Sprung und Gymnastik. Diese Übungen entwickeln den ganzen Körper.

Und heute sind Sie die älteste Wettkampfturnerin Deutschlands! Ihre Konkurrenz war zuletzt stets deutlich jünger. Störte Sie das?

Nein, das hat mich nicht gestört, aber mir taten die Turnerinnen leid, sie wollten ja auch den Meister in Ihrer Altersklasse küren.

2010 bin ich das letzte Mal bei einer Meisterschaft angetreten, turnte in der Riege der 70-75-Jährigen und habe diese auch gewonnen. Das war ein schöner Abschluss für mich.

Ist Bewegung das Rezept für ein hohes Alter?

In jedem Alter ist Bewegung gut für den Körper. Es muss ja nicht Leistungssport sein. Vor allem Bewegung an frischer Luft ist wichtig. Es wäre gut, wenn sich mehr Leute in Gymnastikgruppen bewegen würden, gemeinsam macht es ja auch mehr Spaß.

Wie sieht Ihr Fitness-Programm aus?

Ich übe noch fast jeden Tag, gehe zweimal pro Woche ins Fitness-Studio. Außerdem habe ich die Aroha- und Tibet-Gymnastik für mich entdeckt. Turner pressen bei Anstrengung häufig die Luft, das ist schlecht für die Kondition. Durch die Tibeter-Übungen habe ich gelernt, tief ein- und auszuatmen. Ich unternehme auch gern Radtouren. Die jungen Leute heute machen ja lieber Aerobic und Zumba, wenn ich noch einen Termin frei hätte, hätte ich das vielleicht auch versucht.

Reicht Sport allein, wie wichtig ist der Lebensstil, die Ernährung?

Früher habe ich auf meine Ernährung nicht geachtet, nicht so gesund gelebt, da kam viel Fleisch auf den Tisch und Wurst auf die Schnitten. Jetzt esse ich auch noch von allem, aber nicht mehr so viel, eben bewusster. Auch sehr viel Obst, schon zum Frühstück. Aber ich mache keine Diät. Ich esse auch Schokolade und Kuchen, teile aber ein. Süßes gibt's zur Belohnung.

Setzen Sie sich noch Ziele?

Zurzeit bin ich ganz zufrieden. Ich denke, ich werde weiter in Bewegung bleiben. Wenn auch nicht an den Geräten, aber  mit Gymnastik werde ich mich ganz sicher bis über 90 fit halten.