Treten dann aber Erschöpfung, Müdigkeit, sogar Atemnot und Wasseransammlungen in den Beinen auf, dann ist leider schon ein schwereres Stadium erreicht: Die Rede ist von der chronischen Herzschwäche. Weltweit sollen rund 26 Millionen Betroffene an ihr leiden. Experten gehen davon aus, dass die Fallzahlen mit dem demographischen Wandel weiter steigen. Herzinsuffizienz ist eine Volkskrankheit, die nicht bagatellisiert werden darf. Schleichend beginnen die Beschwerden, bleiben zunächst unbemerkt.

Die Prognose ist ähnlich ungünstig wie bei Krebs. Die Patienten werden mehrfach ins Krankenhaus eingewiesen, sukzessive sinken Leistungsvermögen und Lebensqualität. Ursache dafür ist die verminderte Herzpumpleistung, die nach und nach fast alle Körperfunktionen beeinträchtigt und verschiedene Symptome hervorruft – vom Patient zunächst unbemerkt. Denn das Herz ist ein erstaunlich anpassungsfähiges Organ, das Fehlfunktionen im Körper auszugleichen sucht.

Beispielsweise remodellieren die Herzmuskelzellen dickere Organwände bei dauerhafter Mehrarbeit. Dadurch treten krankhaft veränderte Blutdrücke in den verschiedenen Herzanteilen auf, und das Herz versucht dies mit stärkeren Pumpen zu normalisieren. Jetzt merken die Patienten, dass sie schnell ermüden und außer Atem geraten – selbst bei geringer Aktivität. Treppensteigen wird mit schwachem Herz zur Mammutaufgabe.

Herzinsuffizienz ist keine natürliche Alterungserscheinung, sondern eine ernste Erkrankung, die so früh wie möglich erkannt und konsequent behandelt werden muss. Heilbar ist sie heute leider noch nicht. Die bestmögliche Patientenversorgung hat daher hohen Stellenwert.

Für sie gilt: Herzschwäche ist nicht gleich Herzschwäche. Die heterogene Altersstruktur und Bedürfnislage der Patienten, sowie zahlreiche Begleit- und Folgeerkrankungen sowie Ursachen fordern eine besonders fürsorgliche, individuelle Therapie.

Kann sich das unser Gesundheitssystem mit derzeit mehr als drei Millionen Betroffenen – Dunkelziffer weitaus höher - leisten?

Kann es, sofern die Versorgung auf mehreren Schultern lastet, sagen Kardiologen aus dem Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz und dem Kompetenznetz Herzinsuffizienz, Würzburg (DZHI, KNHI), Vorreiter der Herzschwächeforschung. Ihre Idee: Pflegepersonal als Schnittstelle zwischen Krankenhaus, Arzt und Patient. Letztere, deren ständiger Begleiter die Unsicherheit nach der Diagnose ist, profitieren von dieser Idee weitreichend.

Eine Studie der Einrichtungen belegte, dass die Sterblichkeit von Herzschwächepatienten im ersten Jahr um 40 Prozent sinkt, wenn Fachpflege eingeschaltet wird. Sie hilft den Patienten durch den Alltag nach überstandenem Krankenhauaufenthalt.

Das Dilemma, dass die Patienten nach umfassender Versorgung im Krankenhaus  später Zuhause mit ihrem Problem nahezu alleine dastehen, ist Ausgangspunkt des Würzburger Modells. Verschiedene Medikamente, Werte, die akribisch zu messen sind, dies alles sind Aufgaben, die die zumeist älteren Patienten überfordern.

Pflegepersonal, das am DZHI zur Herzinsuffizienzschwester oder zum -pfleger ausgebildet wurde, reicht hier die Hand. Unter ärztlicher Supervision stellen sie nämlich den Gesundheitszustand ‚ihrer‘ Patienten per Telefon fest und schalten ärztliche Hilfe ein, wenn es notwendig scheint. „Meine Schwester Elisabeth hat mir ein großes Stück Lebensqualität zurückgegeben nach dem Krankenhaus. Sie half mir, mich wieder sicher zu fühlen. Ohne sie wäre ich in ein tiefes Loch gefallen.“

Noch ist Fachpflege nicht Bestandteil der Regelversorgung. Warum nicht, wird in Würzburg nur schwer nachvollzogen. „Wir konnten belegen, dass das telefonisch unterstützte Krankheitsmanagement die Behandlungskosten im Vergleich zur langwierigen Standardtherapie senkt. Jetzt hoffen wir nicht nur für unsere Patienten, dass die Politik diese  Erkenntnis schnell wahrnimmt und handelt“, so die Würzburger Wissenschaftler.