Sie haben wie viele Wettkämpfe hinter sich?

2.077 Läufe im Marathon – davon 816 im Ultramarathonbereich. Mit mehr als 161.000 Kilometern bin ich theoretisch schon viermal um die Welt gelaufen.

Wie kam es zu dieser Leidenschaft?

Wir wohnten in den 70er-Jahren in Schwedt am Wald und dort gab es einen Lauftreff. Spazierengehen fand ich immer langweilig. Also schnappte ich mir meine drei Kinder und lief mit ihnen. Ich habe BWL studiert und arbeitete zu dieser Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Beim Laufen kam ich auf die besten Lösungen für berufliche und familiäre Probleme. Außerdem liebe ich es, im Winter durch Schnee oder im Herbst durch bunte Wälder zu laufen und die Natur zu erleben. Sport ist vor allem morgens wunderbar! Das Wohlfühlen hält den ganzen Tag an.

Seit 1976  lebe ich in Berlin. Als Mitglied im Sportverein startete ich bei kleinen Wettkämpfen. Das hat mir gefallen und ich wollte meine Grenzen austesten. Ich dachte: „Was? Der läuft Marathon? Das kannst du auch!“ Mit 40 Jahren startete ich dann das erste Mal beim Rennsteiglauf, dem Lauferlebnis in der DDR. Das war für uns wie die Olympischen Spiele im Laufen. Zu diesem Ereignis traf sich alles, was eine Startkarte ergattern konnte. Inzwischen habe ich diesen Lauf 33-mal erfolgreich beendet.

Was gefällt Ihnen an Marathons und wie viele laufen Sie im Schnitt?

Wettkämpfe sind für mich das Salz in der Läufersuppe. Fast jedes Wochenende laufe ich jetzt noch einen Marathon. Weltweites Laufen ist allerdings nicht billig. Startgeld, Übernachtung und Fahrkosten muss man sich leisten können. Gern hätte ich einen Sponsor, auch die Bahncard 100 wäre mir willkommen. Ob im Zug, im Hotel oder beim Marathon: Unterwegs lerne ich die Welt kennen! Durch das Aufeinandertreffen der Kulturen ist Sport für mich ein idealer Botschafter für Völkerverständigung und Frieden. Das Zusammentreffen mit Gleichgesinnten ist immer schön und mit großen Emotionen verbunden.

Wie überwinden Sie sich, trotz Schmerzen oder Beschwerden?

Man muss ertragen, wenn es einmal wehtut! Beschwerden kommen und sie gehen meistens auch wieder. Ich frage mich bei jedem Marathon: Warum machst du das? Jeder Lauf ist eine Herausforderung. Ich will es schaffen, deshalb bin ich angetreten. Wenn ich ankomme und die Zuschauer Beifall klatschen, ist aller Schmerz vergessen, und im Nachhinein ist jeder Lauf schön. Beim Marathonlaufen fühle ich mich jung und leistungsfähig; viele Mitlaufende könnten meine Kinder sein und ich kann und darf mich noch unter ihnen bewegen. Wenn ich einige Läufer überholen kann und das Wetter mitspielt, macht es mir besonders viel Spaß. Das ganze Erlebnis ringsherum ist großartig.

Bis wann möchten Sie laufen?

Solange mich meine Füße von einem Lauf zum anderen tragen und mich die Wettkampfveranstalter zulassen. Danach setze ich mir neue Ziele, um mich laufend fortzubewegen.