Darüber sprachen wir mit Andreas Westerfellhaus, dem Präsidenten des Deutschen Pflegerates und Jürgen Graalmann, Geschäftsleitung des Deutschen Pflegetages.

Herr Westerfellhaus, ab dem 1. Januar 2017 werden aus drei Pflegestufen fünf Pflegegrade, welche Auswirkungen hat das?

 

Westerfellhaus: Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff kann besser erfasst werden, was Pflegebedürftige noch selbst können und wo sie Hilfe benötigen. Künftig spielt neben den körperlichen Einschränkungen auch der Hilfebedarf bei dementiellen Erkrankungen eine noch größere Rolle.

Das notwendige Pflegepersonal mit entsprechender Qualifikation muss auch tatsächlich zur Verfügung stehen.

Damit wird ein komplett neuer Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung geschaffen. Zugleich werden mit der Erweiterung des Begriffs der Pflegebedürftigkeit viel mehr Menschen in den Leistungsbereich der Pflegeversicherung aufgenommen. Das ist eine große soziale Leistung und gleichzeitig eine enorme Herausforderung.

In stationären Pflegeeinrichtungen profitieren die Pflegebedürftigen von der Möglichkeit zusätzlicher Betreuungskräfte. Das heißt auch mehr Zeit für Spaziergänge oder zum Vorlesen.

Jedoch muss das notwendige Pflegepersonal mit entsprechender Qualifikation auch tatsächlich zur Verfügung stehen. Hier sehe ich unmittelbar zum Start am 1. Januar 2017 bundesweit noch keine spürbaren Verbesserungen.

Der Deutsche Pflegetag ist das größte Treffen der Pflegebranche in Deutschland. 2017 steht er unter dem Motto „Die Pflege hat die Wahl“.

 

Graalmann: Das ist durchaus doppeldeutig gemeint. Zum einen stellen 1,2 Millionen beruflich Pflegende auch ein Wählerreservoir dar. Zum anderen bedeutet es aber auch, dass die Pflege ihre Zukunft selbstbestimmter gestalten sollte. Angefangen von der Altenpflege bis zum spezialisierten Intensivpfleger nehmen Pflegerinnen und Pfleger bei der Betreuung, Behandlung und Heilung der Patienten eine wichtige Rolle ein.

Die Pflege der Zukunft steht vor großen Aufgaben

Das erfordert eine stärkere Akademisierung ebenso wie die Möglichkeit, sich weiter qualifizieren zu können. Aber in der politischen Diskussion wird zum Großteil immer noch über die Köpfe der Pflegeverbände hinweg diskutiert. Kein Mensch käme auf die Idee, den Handwerks- oder Ärztekammern die Autonomie über die weitere Entwicklung ihres Berufsbildes abzusprechen.

Wenn wir über das Jahr 2017 hinausblicken, was sind die größten Herausforderungen in der Pflege?

 

Westerfellhaus: In näherer Zukunft ist dies das Pflegeberufereformgesetz, das aktuell im Deutschen Bundestag diskutiert wird. Die neue, moderne Pflegeausbildung muss jetzt schnell und ohne faule Kompromisse beschlossen werden.

Eine weitere Herausforderung: Deutschland braucht Pflegekammern. Sie sind der Garant dafür, dass die Berufsgruppen der professionell Pflegenden als wichtige und erstzunehmende Akteure in den Mittelpunkt der pflegerischen Versorgung gestellt werden.

Wichtig ist auch Qualität und Transparenz

Graalmann: Die Pflege der Zukunft steht vor großen Aufgaben: Wir brauchen einen flexibleren Angebotsmix im Pflegefall und eine Einbindung der Kommunen. Wichtig ist auch Qualität und Transparenz: Schwarze Schafe in der Pflege diskreditieren einen ganzen Berufsstand und gehören aussortiert.

Eines der großen Zukunftsthemen wird sicher die ergänzende Einbindung neuer technologischer und digitalisierter Pflegeangebote. Pflege zu organisieren und zu gestalten wird eine der wesentlichsten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit – gewichtig wie das Thema Energiewende. Davor dürfen wir die Augen nicht verschließen.

Pflege stärken mit starken Partnern

Deutscher Pflegetag 2017

23. – 25. März 2017 in der STATION-Berlin

Weitere Informationen finden Sie auf www.deutscher-pflegetag.de