Wo kommt Fast-Track-Chirurgie her und was bewirkt sie?

Die Entwicklung von Fast Track hat ihren Ursprung in den USA, in England und in den Niederlanden. Dort wird die Methode als „Rapid Recovery“, also schnelle Wiederherstellung des Patienten nach einer Operation bezeichnet. Fast Track ist ein Gesamtpaket von Maßnahmen, das die Behandlung vom Aufklärungsgespräch über Vorsorge und Änderungen in den Operationstechniken bis hin zur Nachbehandlung umfasst.

Was heißt das konkret? Was erwartet Patienten, die nach dieser Methode operiert werden?

Der Patient kann im Idealfall das Einpflanzen eines Kunstgelenks schneller, leichter und mit weniger Schmerzen bewältigen. Es handelt sich um eine mittelschwere bis große OP mit aufwendiger Nachbehandlung, sodass ein stationärer Aufenthalt nötig ist. Fast-Track-Patienten können sich in der Regel schneller wieder bewegen, das neue Gelenk beugen und strecken und nach fünf statt vorher sieben Tagen wieder nach Hause gehen.

Wie funktioniert das genau? Welche Techniken werden angewandt?

Zunächst werden die Patienten durch Gespräche auf den Eingriff vorbereitet, auch das korrekte Gehen an Gehstützen wird vorher geübt.

Während der OP sind vor allem gewebeschonende Techniken wichtig. Muskeln werden nicht durchtrennt, sondern zur Seite gehalten. Es wird keine Blutsperre mehr angelegt, um die Wunde blutfrei zu halten, da diese den Muskel quetscht. Stattdessen operieren wir zügig und blutarm, offene Gefäße veröden wir mit einem Elektrokauter, einer Art Pinzette, die unter Strom steht.

Kann man durch blutarmes Operieren auf Drainagen verzichten?

Öfter kann darauf verzichtet werden. Zumindest ist im Gegensatz zu früher nur noch eine statt zwei bis drei Drainagen nötig – und diese braucht der Patient auch nur kurzfristig für einen Tag. So entfällt das schmerzhafte Ziehen der Schläuche und sie behindern auch nicht bei der Mobilisierung.

Wie erreichen Sie, dass der Patient weniger Schmerzen hat?

Indem wir örtliches Betäubungsmittel während der OP direkt in die Wunde geben. Naht und Kapsel werden also betäubt, nicht aber der Nerv im Oberschenkel. Der Patient hat nach der OP somit weniger Wundschmerzen, kann aber die Muskeln seines Beins normal bewegen. Das heißt, er kann früh mit Bewegungsübungen anfangen.

Ist die Methode für jeden geeignet?

Es hängt vom Einzelfall ab, zum Beispiel wie alt ein Patient ist und ob er Begleiterkrankungen hat. Aber ich würde schätzen, dass etwa 75 Prozent von der neuen Methode profitieren können.

Brauchen die Patienten weiter Lagerungsschienen?

Bei stabil eingepflanzten Prothesen sind Lagerungsschienen heute nicht mehr erforderlich. Für Patienten ist das gut, denn sie sind in ihren Bewegungen nicht so eingeschränkt. Sie müssen beispielsweise nicht mehr so lange auf dem Rücken liegen, können sich früh aufsetzen und teilweise bereits am ersten Tag im Zimmer herumgehen.

Spätestens ab dem zweiten Tag können die meisten Patienten mit Unterarmstützen das Zimmer verlassen. Sie werden auch schneller wieder eigenständig, können allein auf die Toilette, Treppen steigen und sich anziehen.

... und auch früher nach Hause gehen?

Es ist nicht unser primäres Ziel, die Patienten früher nach Hause zu schicken. Aber viele können nach fünf statt wie früher nach sieben Tagen entlassen werden.

Ist die Orthopädie von Lichtenau e. V. die einzige Klinik in Nordhessen, die Fast-Track-Chirurgie anwendet?

Ich habe natürlich keinen Einblick in alle anderen Krankenhäuser der Region, aber meines Wissens, ja.