Möglichst lange selbstständig leben und den Alltag meistern können, so beschreiben viele Menschen ihren Wunsch für das Älter werden. Mit steigendem Alter wird die so wichtige Selbstständigkeit allerdings von verschiedenen Faktoren beeinträchtigt. Auf manche Dinge wie Seh- und Höreinschränkungen können wir nur bedingt Einfluss nehmen, für andere muss man hingegen nur aktiv werden. Dies gilt vor allem für das Sturzrisiko.

Studien belegen, dass Bewegung selbst im höchsten Alter positive Effekte auf die Gesundheit erzielt und der menschliche Körper ein Leben lang trainierbar ist. Die Erhaltung oder die Verbesserung der Kraft- und Koordinationsfähigkeit durch Bewegungsübungen fördert die Selbstständigkeit und ist essentiell für die Minderung des Sturzrisikos.

 Werden Sie aktiv! Bewegung ist die beste Sturzprävention.

Denn das Risiko zu stürzen nimmt im Alter stetig zu und beeinträchtigt die Autonomie des Betroffenen. Jeder Dritte über 65 Jahre stürzt durchschnittlich ein Mal im Jahr, bei den über 80-Jährigen stürzt bereits etwa jeder Zweite jährlich. Grundsätzlich gilt, je älter, desto höher ist die Sturzquote. Zahlreiche Faktoren vervielfachen zudem das Sturzrisiko. Neben Depression, Dranginkontinenz, Seheinschränkungen und Stürze im Vorjahr sind vor allem Muskeldefizite der entscheidende Einflussfaktor (siehe Grafik). Je nach Ausprägung des Muskeldefizits erhöht sich das Sturzrisiko um das bis zu 4,4-fache.

Durch gezielte Bewegungsübungen kann nicht nur die Muskelschwäche sondern auch die Angst vor Stürzen verringert werden. Die angewandten Koordinations- und Multitaskingübungen fordern zum einen die geistige Fitness heraus, zum anderen bringt der erhöhte Fitnessgrad mehr Selbstvertrauen in die eigenen körperlichen Fähigkeiten mit sich. Dies führt zu mehr Standsicherheit und somit zum Erhalt der Selbstständigkeit.

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und des Wissens um die positiven Einflüsse von Bewegung bis ins hohe Alter hat der Deutsche Turner-Bund (DTB) bereits vor etwa zehn Jahren damit begonnen, sich intensiv mit Sturzprävention auseinander zu setzen. Über Fachtagungen und Weiterbildungsmaßnahmen schult der Verband Übungsleiter, die adäquate Sturzpräventionsangebote anbieten. Mittlerweile ist ein deutschlandweites Netz an Seniorensportangeboten in den über 20.000 Turn- und Sportvereinen des DTB entstanden.

In diesen Angeboten wird durch gezielte Übungen wie Einbeinstand oder Wandliegestütz die Leistungsfähigkeit in den Bereichen Kraft, Koordination und Beweglichkeit gestärkt. Verbessert wird dabei jedoch nicht nur die Gesundheit und damit Lebensqualität sondern durch das Miteinander im Verein auch die Lebensfreude.

Tabelle

Risikoindikatoren für Stürze: Die Zahlen zeigen den Vervielfältigungsfaktor des Sturzrisikos, wenn linke Spalte gegeben ist.

Muskeldefizite

4,4

Sturz im letzten Jahr

3,0

Gangstörungen

2,9

Gleichgewichtsschwächen

2,9

Gebrauch von Gehhilfen

2,6

Seheinschränkungen

2,5

Arthritis

2,4

Dranginkontinenz

2,3

Eingeschränkte Alltagsbewältigung

2,3

Depression

2,2

Kognitive Einschränkungen

1,8

Angst

1,8

Alter über 80 Jahre

1,7

Quelle: Deutscher Turner-Bund e.V. (2010). Sturzprophylaxe Training. Meyer & Meyer Verlag. S. 14

Mehr zum Thema Ältere beim Deutschen Turner-Bund finden Sie unter www.dtb-online.de/portal/gymwelt/aeltere.html