Herr Westerfellhaus, in den vergangenen Jahren hat sich in Pflegepolitik und -praxis einiges getan.

Richtig, es wurde viel erreicht: Die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs hat den Weg frei gemacht für ein erweitertes Pflegeverständnis und bedarfsgerechte Leistungen für Pflegebedürftige. Die vollständige Umsetzung dieser Reform braucht jedoch Zeit und vor allem eine ausreichende Ausstattung mit Fachpersonal.

Die Einführung der vereinfachten Pflegedokumentation ist ein Schritt in Richtung Entbürokratisierung. Zu begrüßen ist auch, dass die Pflegeeinrichtungen ihre tariflichen Personalkosten nun in vollem Umfang geltend machen können – ein wichtiger Schritt in Richtung einer faireren und gerechteren Bezahlung Pflegender. Ein Meilenstein war außerdem die Gründung der ersten Pflegekammer in Rheinland-Pfalz.

Weitere Bundesländer sollten diesem Beispiel folgen – auch mit Blick auf die vorgesehene Gründung einer Bundespflegekammer. Die größte Herausforderung in den nächsten Jahren wird der steigende Bedarf an Pflegepersonal darstellen – damit einhergehen muss die Verbesserung von Arbeitsbedingungen.

Unabdingbar bleibt auch weiterhin die konkrete Umsetzung einer generalistischen und damit attraktiven Pflegeausbildung. Unsere gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe ist es, eine gute pflegerische Versorgung für alle Menschen langfristig sicherzustellen.

Herr Graalmann, der Deutsche Pflegetag 2017 stand mit dem Motto "Die Pflege hat die Wahl" ganz im Zeichen der Bundestagswahl und des Themas Selbstbestimmung. Welche Schwerpunkte sehen Sie beim Thema Pflege für die kommenden Jahre?

Das Thema Pflege ist gesellschaftlich und politisch hoch relevant. Für die Hälfte der Bürger ist es sehr wichtig für ihre Wahlentscheidung. Und 71 Prozent der Deutschen befürworten Verbesserungen für die 1,2 Millionen Pflegekräfte, von denen wir künftig viel mehr brauchen. Nötig ist dafür eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung.

Pflege ist ein vielschichtiger und hoch qualifizierter Beruf: Von der Hebamme bis zum spezialisierten Intensiv- oder Palliativpfleger nehmen die Pflegenden bei der Betreuung und Behandlung der Patienten eine wichtige Rolle ein. Das erfordert eine stärkere Akademisierung des Berufes ebenso wie die Möglichkeit, sich mit frühzeitigem Schulabschluss über eine Helferausbildung in der Altenpflege weiter qualifizieren zu können. Die Ausbildung der Pflegekräfte muss dieser Herausforderung zukünftig Rechnung tragen.

Und Pflegekräfte und Ärzte sollten gemeinsam für die Patienten da sein: Die Pflege kann mehr als ihr oft zugetraut wird – nicht nur in ländlichen Regionen. Die Pflege muss ihre Interessen selbstbewusst, qualifiziert und mündig vertreten und ihre Zukunft selbst gestalten – dazu halte ich die Gründung einer Bundespflegekammer in naher Zukunft für richtig und notwendig.

Der Deutsche Pflegetag 2017 war ein großer Erfolg!

Der 4. Deutsche Pflegetag in Berlin ist erfolgreich zu Ende gegangen. Vom 23. bis 25. März trafen sich über 8.000 Akteure, Entscheider und Experten aus Pflege, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik beim Deutschen Pflegetag 2017 in der STATION-Berlin zum Erfahrungsaustausch. Das sind über 2.000 Besucher mehr als im Vorjahr. Insgesamt waren 96 Aussteller vor Ort und 197 Referenten und Moderatoren haben dazu beigetragen, dass viele neue Kontakte, Eindrücke und interessante Inhalte mit nach Hause genommen wurden. Wir freuen uns schon auf die Veranstaltung im nächsten Jahr.

Herzlichen Dank an unsere Partner und Unterstützer, die Besucher und alle Mitwirkenden – gemeinsam haben wir auch in diesem Jahr der Pflege wieder eine starke Stimme verliehen! Laden Sie sich jetzt in der Kongress-App die Präsentationen der Referenten herunter und sehen Sie sich unter Rückblick die Highlights der Veranstaltung noch einmal an. Mit unserem Newsletter bleiben Sie bis zum nächsten Kongress, der vom 15.-17.03.2018 stattfindet, auf dem Laufenden.

Erfahren Sie mehr auf www.deutscher-pflegetag.de sowie auf www.deutscher-pflegerat.de.