Die Zahl der Alzheimerpatienten steigt in Deutschland – woran liegt das?

Das liegt daran, dass die Menschen immer älter werden. Der größte Risikofaktor der alzheimerschen Erkrankung ist das Alter. Andere Faktoren wie Folgen entzündlicher Prozesse, zum Beispiel Inflammation, und Proteinablagerungen im Gehirn kommen hinzu.

Was passiert bei der alzheimerschen Erkrankung im Gehirn?

Die Zellen im Gehirn altern. Dadurch verringert sich ihre Widerstandsfähigkeit gegen schädigende Stoffwechseleinflüsse.

Die Tatsache des langsamen Beginns ermöglicht es, den Kranken frühzeitig zu helfen.

Bei allen Alzheimerpatienten werden Nervenzellen im Bereich von Vorder- und Zwischenhirn zerstört. Die Patienten verlieren in der Folge ihre kognitiven
Fähigkeiten.

Nun besteht bei psychischen Erkrankungen das Missverständnis, dass sie immer gleich schwer sein müssen. Gerade die alzheimersche Erkrankung beginnt schleichend. Zu Beginn hat sie nur leichte Symptome wie etwa zunehmende Vergesslichkeit. Allerdings schreitet sie fort. Die Tatsache des langsamen Beginns ermöglicht es, den Kranken frühzeitig zu helfen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man die Krankheit auch früh erkennt. Dann kann man versuchen, den Krankheitsverlauf zu bremsen oder ihn am Fortschreiten zu hindern.

Welche Möglichkeiten gibt es die Krankheit zu diagnostizieren?

Der „Goldstandard“ der Diagnostik ist zurzeit neben der körperlichen und psychischen Untersuchung durch den Arzt eine MRT und eine Punktion zur Untersuchung des Nervenwassers.

Letztere sind aber belastend für die Kranken, aufwendig und teuer. Deshalb unterbleiben sie oft. Das hat unter anderem dazu geführt, dass, wie Experten schätzen, die meisten Demenzkranken in Heimen unzureichend diagnostiziert sind.

Welche Alternativen gibt es?

Es ist möglich, in der Zeit, in der die Krankheit meist unbemerkt bleibt, biologische Veränderungen im Blut mithilfe von Biomarkern zu bestimmen. Das ist nicht nur einfacher und weniger belastend, sondern auch kostengünstiger. Mehrere internationale Gruppen arbeiten mit Hochdruck und mit Erfolg an einem solchen Test zur Früh- und Risikodiagnostik.

Wie können Patienten dann behandelt werden?

Demenzerkrankungen sind bislang nur symptomatisch behandelbar. In der Alzheimerpharmaforschung ist gerade Ernüchterung eingetreten. Allein in den letzten Monaten haben sich drei große klinische Studien in Phase III als Fehlschläge erwiesen.

Das Durchschnittsalter von Alzheimerkranken hat sich in den letzten Jahren von 80 auf 85 erhöht.

Internationale Studien stützen allerdings die These, dass sich das Alzheimerrisiko durch einen gesunden Lebensstil senken lässt: Man bewegt sich ausreichend, man vermeidet Fettleibigkeit und raucht nicht. So sollte man zwar sowieso leben, aber Betroffene, die ihr Demenzrisiko kennen oder fürchten, sind stärker motiviert, das auch zu tun.

Es ist wahrscheinlich, dass es auf diese Weise gelingen kann, das Ersterkrankungsalter bei gefährdeten Personen um Jahre hinauszuschieben. Dass das keine Traumtänzerei ist, beweist die Tatsache, dass das Durchschnittsalter von Alzheimerkranken sich in den letzten Jahren von 80 auf 85 erhöht hat.