Wie beurteilen Sie die Pflegesituation zurzeit in Deutschland?

Sie ist katastrophal. Der Zug ist nicht nur abgefahren, wir sehen nicht mal mehr seine Rücklichter. Die 1,2 Millionen Pflegekräfte, die in Krankenhäusern, Altenheimen oder ambulant im Einsatz sind, sind heute schon zu wenig.

Und es sieht nicht danach aus, als würde sich das in Zukunft ändern. Bereits heute können viele Operationen können nicht mehr stattfinden, weil es einfach an Pflegekräften im OP-Saal und auf den Stationen fehlt.

Was sind die Ursachen für diesen Notstand?

Aus meiner Sicht ist es ein entscheidendes Problem, dass es für Pflegerinnen und Pfleger keine Kammer gibt, die ihren Beruf, ihre Ausbildungssysteme und Weiterbildungen mit bundesweit geltenden Regelungen organisiert, wie zum Beispiel bei den Ärzten oder Apothekern. Dabei sind sie die größte Berufsgruppe in der Medizin. Es fehlt ihnen einfach in politischen Gremien die nötige Stimme und eine breite Unterstützung.

Wie stellt sich die Situation bei den Nachwuchskräften dar?

Es gibt zwar eine Bereitschaft, diesen Beruf zu ergreifen. Viele Beschäftige bleiben jedoch nicht in der Pflege. Einige können aufgrund ihres vorherigen Ausbildungswegs ihre Karrierechance noch durch ein Pflegemanagementstudium verbessern. Andere wechseln jedoch irgendwann in völlig andere Tätigkeiten. Sie werden zum einen in der Pflege zu schlecht bezahlt. Zum anderen ist die Tätigkeit oft körperlich sehr anstrengend.

Jeder Berufsstand hat sein spezielles gesellschaftliches Image - wie nehmen Sie es in der Pflege wahr?

Das Image hat deutlich gelitten. Früher galt zum Beispiel die Tätigkeit als Krankenschwester als ein attraktiver Beruf. Er hatte große Wertschätzung in der Gesellschaft und wurde positiv mit Heilung und menschlicher Nähe assoziiert. Heute hört man Kommentare, dass jemand dieses Engagement gut findet - man selbst wäre zu dieser Arbeit aber nicht in der Lage.

Natürlich stellt sich sofort die Frage nach Lösungen - welche sehen Sie?

Eine Chance liegt zum einen in der Lohnerhöhung. Und zum anderen muss der Berufsstand der Pflegekräfte generell den gleichen Stellenwert erhalten wie den der Ärzte und Apotheker. Das Berufsbild braucht eine klare Selbstverwaltung, die für den Berufsstand die richtigen Schritte und Entwicklungen in die Hand nimmt.

Aber Pflege geht uns alle an. Wir dämmen beispielsweise wie irre unsere Häuser. Sind dort im Alter aber nicht mehr in der Lage, auf Toilette zu gehen - weil wir es nicht rechtzeitig altersgerecht umgebaut haben. Oder nehmen Sie ein in Norddeutschland berufstätiges Ehepaar, das aus zwei Einzelkindern besteht. Wenn es sich Gedanken um seine vier Eltern macht, die pflegebedürftig im Süden leben, braucht es ganz klar Unterstützung durch Dritte. Wichtig ist daher die staatliche Rahmenbedingungen und Förderung, aber auch ein Umdenken bei jedem einzelnen, was er selbst beitragen kann.

Und besonders die Pflegebedürftigen profitieren natürlich von einer professionellen Hilfe. Jeder Mensch kennt doch aus dem eigenen Leben das gute Gefühl, umsorgt zu werden. Jeder weiß, wie andere aktiv an der eigenen Genesung mitwirken können. Engagierte Pfleger geben mehr Lebensfreude und helfen, die schönen Seiten des Alters zu sehen. Ich finde vor allem wichtig, dass Menschen mit Respekt alt werden können.

Was ist Lebenlang?

Lebenlang ist ein rein digitales und kostenfreies Pflege- und Lifestyle-Magazin, welches als iOS App, als Android App sowie in einer Online-Version verfügbar ist. Lebenlang erscheint 4x pro Jahr mit einem Umfang von ca. 200 Seiten. Die Monetisierung erfolgt über Content Marketing mit verschiedenen Partnern.

Die Idee hinter Lebenlang

Das Thema Pflege rückt immer stärker in den Fokus der Gesellschaft. Der demografische Wandel bringt nicht nur eine erhöhte Pflegebedürftigkeit mit sich, auch die Ansprüche der dritten Generation haben sich verändert – wie kann man den Bedürfnissen einer immer alternden Gesellschaft und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen begegnen? Stakeholder aus verschiedenen Bereichen haben sich zusammengeschlossen, um mit dem Magazin Lebenlang positive Perspektiven aufzuzeigen für ältere Menschen und deren Angehörige sowie für professionell Pflegende und Auszubildende in den Pflegeberufen.

Was erwartet mich in Lebenlang?

Das Online-Magazin konzentriert sich auf die Themen Pflege, Gesundheit und Aktivität. Lebenlang bündelt Lifestyle-Themen für Freizeit und Beruf sowie Fachinformationen rund um Pflege und Gesundheit. Im Mittelpunkt stehen Portraits von Menschen und Modellen aus dem Pflegebereich, Fitness und Ernährung, Berufsbilder aus der Pflege und das digitale Leben.