Viele Senioren kennen sich mit modernen Medien wie Internet oder Apps nicht aus. Viele haben sogar Angst vor ihnen. Die Initiative „Wir versilbern das Netz“ der Vereine Freunde alter Menschen und Wege aus der Einsamkeit soll hier Abhilfe schaffen. Ziel ist, dass auch ältere Menschen in allen Bereichen weiterhin oder wieder aktiv am Leben teilhaben – und eben auch in der virtuellen Welt.

Kostenfreie Gesprächsrunden

In kostenfreien Gesprächs- und Übungstreffen mit maximal sechs Teilnehmern wird daher in Hamburg das Einmaleins der Smartphones und Tablets gelehrt und gelernt. Einzige Teilnahmebedingung: Teilnehmer müssen älter als 65 Jahre sein. Tablets und Smartphones werden dabei auch gestellt.

„Es gibt viele Senioren, die in ihrem ganzen Leben noch keine Internetseite gesehen haben“, so Initiatorin Dagmar Hirche. „Aber schon, wenn die Tagesschau einen Hinweis über zusätzliche Nachrichten im Web gibt, merkt man, dass man von bestimmten Informationen abgeschnitten ist. So mancher ältere Mensch kann mit Begriffen wie Tablet, Router, Wlan oder Internet nichts anfangen – und ist ausgegrenzt.

Zudem gibt es gerade im Bereich der Gesundheit viele praktische Apps, die das Leben erleichtern. Um so sträflicher ist es, dass das Knowhow bei den Senioren fehlt. Das wollen wir ändern. Mit viel Spaß und Freude in den Gesprächsrunden.“

Ohne Scheu vor Technik

Genommen werden soll auch die Scheu vor der Technik und deren Gebrauch. Während einer Stunde Theorie und zwei Stunden Praxis dürfen auch vermeintlich dumme Fragen gestellt werden. In den Gesprächsrunden werden erste Gehversuche im Web zum Beispiel auf Seiten der Deutschen Bahn oder des öffentlichen Nahverkehrs geübt. Enkeln wird per Whatsapp eine Nachricht verschickt. Gesurft wird auf Seiten der Bundesliga oder über Google Earth das Geburtshaus recherchiert.

Ein großer Renner sind virtuelle Museumsbesuche – besonders für Senioren, die weniger mobil sind oder denen Geld zum Reisen fehlt. Großen Wert legen die Macher auch auf den Hinweis, als Anfänger auf Seiten zu surfen, die kostenfrei sind, um finanziellen Missbrauch zu vermeiden. 

Großer Andrang

2014 startete der Verein erste Runden – und wurde von Anfragen überrannt. „Wir sind in Anrufen ersoffen“,  so Hirche. Auch Senioren von 78 bis 94  Jahren bekundeten Interesse und mussten erst mal auf die Warteliste. Geschult wird in den Räumen des Vereins. Aber auch vor Ort in den Wohnanlagen und Altersheimen, in denen es WLAN gibt.

In 2015 wurde so in 70 Hamburger Runden mit 450 Teilnehmern geübt. Neue sollen in Bremen und Lohne in 2016 hinzukommen. Geplant sind auch so genannte „versilberte Cafés“, also weitere öffentliche Orte, wo Senioren gemeinsam üben können.

Multiplikatoren gesucht

„Nach den Gesprächsrunden empfehlen wir immer, sich statt mal über Krankheiten über das Gelernte zum Internet auszutauschen. Und die Runden mit Tablets eigeninitiativ weiterzuführen“, so Hirche. „Wichtig sind nun natürlich Multiplikatoren, die es in anderen Städten weiterführen. Das Interesse auf Seiten der Senioren ist wahrlich groß genug.”


Mehr Informationen zum Projekt „Wir versilbern das Netz“ unter Telefon 040.42236223200 oder unter www.wegeausdereinsamkeit.de