Sie müssen  den eigenen Job, die Organisation der Pflege und ihr eigenes Leben unter einen Hut bringen. Zusätzlich müssen sie auch mit der emotionalen Belastung klarkommen. Das ist eine große nicht zu unterschätzende Leistung. Pflege ist nicht planbar. Aber Sie können sich auf die unterschiedlichen Anforderungen vorbereiten.

Wichtig: Es gibt unterschiedliche Betreuungs- und Pflegephasen mit unterschiedlichen Anforderungen:

  • Beginn der Betreuung: Angehöriger wohnt alleine und versorgt sich weitgehend selbstständig
  • Beginn der Pflegebedürftigkeit: Angehöriger wohnt alleine und wird teilweise durch Hilfspersonen unterstützt
  • Fortgeschrittene Pflegebedürftigkeit: Angehöriger kann nicht mehr alleine wohnen und wird komplett durch Hilfspersonen unterstützt

Das entlastet Arbeitnehmer am meisten:

  • Flexible Arbeitszeit
    Es geht nicht darum, die eigene Arbeit komplett aufzugeben, sondern um die Möglichkeit, kurzfristig reagieren zu können (, wenn etwas zu erledigen ist.)
  • Garantierte Erreichbarkeit
    Die beruhigende Gewissheit, dass man im Notfall immer erreichbar ist, hilft dabei, sich gut auf die eigene Arbeit zu konzentrieren.
  • Persönliche Telefonate führen
    Die Möglichkeit, während der Arbeitszeit auch Telefonate mit dem Angehörigen, mit Ärzten oder dem Pflegedienst zu führen, führt zu einer spürbaren Entlastung.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Informieren Sie Ihre Vorgesetzten und das Team über Ihre Betreuungssituation und finden Sie gemeinsam eine Regelung.

Arbeitszeit:

  • Überstunden ansparen und dann kurzfristig nehmen
  • Urlaubstag nehmen und dann „bedarfsweise“ nehmen
  • Wechsel in andere Schichtmodelle
  • Nutzen von Arbeitszeitkonten
  • Reduzierung der Arbeitszeit (Teilzeit)
  • Kurzfristige Freistellung
  • Sonderurlaub
  • Familienpflegezeit https://www.youtube.com/watch?v=0S5LmoAWT-I

Erreichbarkeit und Telefonate:

  • Handy mit sich führen
  • Sicherstellen, dass Sie über eingehende Telefonate informiert werden
  • Telefonzeiten für private Anrufe vereinbaren
  • Finden Sie einen Ort für ungestörtes Telefonieren

Unterstützungsangebote des Arbeitgebers:

  • Sozialdienst
  • Seminare für pflegende Angehörige
  • Kooperation Pflegediensten
  • individuelle Hilfsangebote

Ganz wichtig: Suchen Sie sich Hilfe und Unterstützung. Je eher Sie das schaffen, umso besser können Sie sich um Ihren Angehörigen kümmern.

In der nächsten Woche geht es um die ersten Anzeichen von Alzheimer und Demenz.


Petra Schlitt ist Angehörigencoach und Demenzexpertin. Mit ihrer Beratung und ihrem Blog www.petraschlitt.de unterstützt sie alle, die sich um ihre alten Eltern kümmern.