Zum Beispiel seit 2007 Vorzeigeprojekte in ihrem Hamburger Verein „Wege aus der Einsamkeit“, die Senioren Mut geben sollen. Ein Gespräch mit ihr über die Vorteile des Alters, Siege über den Schweinehund und 94-Jährige, die lernen wollen, was ein Router ist.

Welche Vorteile bietet das Alter, und warum hat der Ruhestand vielleicht so gar nichts mit Ruhe zu tun?

Sie haben keinen Leistungsdruck mehr im Beruf, der heute immer höher wird. Sie müssen sich nicht mehr beweisen – denn das haben sie schließlich in der Vergangenheit getan. Ihnen steht deutlich mehr Zeit für Aktivitäten wie Hobby oder Ehrenamt zur Verfügung. Wichtig ist nur, dass Sie sie auch tun.

Menschen sind dank der Medizin im hohen Alter heute gesundheitlich fitter als früher. Viele haben noch das alte Bild von den Großeltern im Kopf, die in der Regel gebrechlicher waren. Diese Sicht muss sich ändern.

Dennoch gibt es Betroffene, die im Alter zwangsläufig unter mehr Krankheiten und Einsamkeit leiden. Wie pflegen diese eine aktive und frohe Lebensweise?

Generell gilt: Trotz Einschränkungen kann man noch viel unternehmen. Diejenigen, die schon immer in jungen Jahren aktiv und kommunikativ waren, sind es auch später.  Es gibt aber viele, die sich nicht bewusst damit auseinandersetzen.

Und wie lockt man die aus der Einsamkeit?

Wichtig ist, die Angebote bekannt zu machen. Das passiert oft über die Tageszeitungen. Wird über ein bestimmtes Thema berichtet, merken viele Vereine plötzlich Interesse und Zulauf.

Welche Angebote empfehlen Sie, um erste Hemmschwellen zu überwinden?

Es gibt überall Sportvereine mit günstigen Mitgliedsbeiträgen. Da geht es nicht um Hochleistung, sondern um viele Angebote zur Bewegung und regelmäßigen Austausch zwischen Jung und Alt. Auch Ehrenämter sind eine Möglichkeit, unter Menschen zu kommen. Selbst wenn man kein Mitglied der Kirchen ist, freuen die sich über Teilnehmer ihrer Programme. Oder Seniorentreffs und Nachbarschaftshilfen in neu wachsenden Quartieren.

Entscheidend ist, den Mut zu fassen. Niemand da draußen holt einen runter vom Sofa. Auch nach dem ersten Schritt darf man nicht gleich aufgeben. Gerade im Alter entwickeln wir alle Macken – die man auch bei anderen akzeptieren sollte.

Radikalere Veränderungen gibt es bei Demenzkranken. Wie gelingt es Patienten und Angehörigen, damit umzugehen?

Wichtig ist, sich rechtzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen und Unterstützung zu suchen. Es gibt inzwischen tolle Angebote. Wir müssen viel mehr mit den Betroffenen sprechen – und weniger über Betroffene. Leider hat die aktuell ältere Generation nicht ausreichend gelernt, Hilfe anzunehmen. Das gelingt bei der nächsten schon besser.

Es ist allerdings niemandem geholfen, wenn die Angehörigen selbst während der Pflege gesundheitlich leiden. Oft ist fachliche Hilfe nötig. Man sollte sich nie schämen einzugestehen, dass man nicht mehr weiterweiß.

Auch beim Thema Wohnen gilt die Prävention. Wenn jemand Jahrzehnte im vierten Stock ohne Fahrstuhl gelebt hat, kümmert er sich lieber im Alter von 60+ um einen Umzug. Er ist dann noch flexibler als mit 70+.

Gehirnzellen kann man bekanntlich wie jeden anderen Muskel trainieren – wie gelingt es im Alter, fit im Kopf zu bleiben?

Lebenslanges Lernen ist das Stichwort. Trauen Sie sich an etwas Neues. Suchen Sie den Austausch mit anderen. Nicht durch Vergesslichkeit entmutigen lassen. Manchmal braucht man eben länger. Aber man hat den inneren Schweinehund besiegt.

In diesem Sinne führen Sie die Generation 60+ durch die Initiative „Wir versilbern das Netz“ an die digitale Welt. Können Sie Ihr Projekt genauer erläutern?

Wir bieten kostenlose Gesprächsrunden an, bei denen sechs Teilnehmer drei Stunden lang sozusagen das Einmaleins des Internets lernen. Vor Ort oder in unseren Vereinsräumen machen wir Senioren mit dem Web und seinen Technologien vertraut. Geübt wird dann zum Beispiel mit den Seiten der Deutschen Bahn oder sie schicken ihren Urenkeln Nachrichten über WhatsApp. Das Interesse ist riesig. Da gibt es sogar 94-Jährige, die endlich wissen wollen, was ein Router ist.

Ein anderes Projekt ist Ihre Fotoaktion „Wenn ich alt bin…“.

Jeder Interessierte in Deutschland, ob jung oder alt, ist aufgefordert, sich eine Tafel oder einen Zettel zu nehmen und eine Antwort auf diese Frage zu notieren. Dann schickt man ein Foto von sich mit dem Statement an uns. 120 Einsendungen haben wir schon. Es geht auch hier darum, sich dem Thema Alter spielerisch, mit Humor und positiv zu nähern.

Weitere Informationen zu Projekt finden Sie hier www.wegeausdereinsamkeit.de