Im Interview spricht der sympathische Urbayer über seine Jugendlichkeit, Golf und die Rolle seines Lebens.

Sie sind 65 Jahre alt. Was bedeutet für Sie, „Glücklich im Alter“ zu sein?

Ich fühle mich gar nicht berufen, über dieses Thema zu sprechen, weil ich einfach noch nicht alt bin (lacht). Doch für mein „jugendliches“ Alter fühle ich mich sehr glücklich.

Bitte definieren Sie das etwas genauer.

Dieses Glück bedeutet für mich, eine schöne Beziehung zu haben, dass ich mich gut bewegen kann, dass ich drehen kann, und das in einem großen Ausmaß, und dass es mir gesundheitlich gut geht – ohne Gesundheit wären all die vorher genannten Punkte auch nicht möglich. Also ist die Gesundheit im Grunde das A und O.

Wie würden Sie die heutige Generation 50+ beschreiben?

Wenn ich mich daran erinnere, wie ich gedacht habe, als ich 25 Jahre alt war – da dachte man ja, „oh, der ist über 50, hoffentlich kann der noch alleine auf die Toilette gehen“. Jetzt zeigt sich aber, dass wir – also die Generation über 50 – alles machen, wozu wir Lust haben. Wir fahren in den Urlaub, kaufen uns neue Fahrräder, sind beweglich, mobil und voller Lebensfreude. In unserer Generation geht schon einiges ab (lacht). Ich muss aber dazu sagen, dass dieses neue Lebensgefühl der Best Ager erst meine Generation, also die Nachkriegsgeneration, betrifft.

Inwiefern?

Für uns ist es ein bisschen einfacher als für die Generationen davor, da wir körperlich einfach fit sind. Die Menschen, die den Krieg noch miterleben mussten und danach alles wieder aufgebaut haben, die sind, wie wir in Bayern sagen, zusammengearbeitet. Die waren als Rentner nicht mehr so lebensfroh und gesund wie die heutigen Menschen rund ums Rentenalter.

Wie halten Sie sich fit?

Mein Fitnessprogramm ist meine Arbeit. Ich drehe normalerweise fünf Tage in der Woche. Dadurch komme ich auch viel rum. Hinzu kommt, dass der Kopf durch das Lernen der Texte fit gehalten wird. Zudem spiele ich, sooft es geht, Golf, und da geht man auf einer Runde zwischen neun und elf Kilometer, was mich körperlich auch fit hält.

Früher waren Sie Gastwirt, bevor Sie im Alter von 30 Jahren zur Bühne wechselten. Wie kam es dazu?

Das hat sich einfach so ergeben, war eher ein Zufall. Ich habe einen Theaterleiter kennengelernt. Der hat mich (als) für die Bühne ganz geeignet befunden, und ich wollte das dann auch ausprobieren. Für die Schauspielschule war ich zu dem Zeitpunkt leider schon zu alt. Also habe ich Privatunterricht genommen, um das auf vernünftige Beine zu stellen. Etwas halbherzig zu tun, war noch nie meine Sache. Also habe ich Sprech- und Schauspielunterricht genommen. Lange danach war ich neben der Schauspielerei aber auch noch Wirt. Das Wirtsein hat dann zur Jahrtausendwende aufgehört.

Warum?

Dann begann die Schauspielerei professionellere Züge anzunehmen, ich musste mich entscheiden und beschloss, dass es an der Zeit ist, von der Schauspielerei zu leben.

Hat sich dieser Wunsch schnell erfüllt?

Ich war 2000 ja schon 50, und dann von der Schauspielerei leben zu können, das können sogar viele Junge heute nicht. Ich habe dann also auch ein paar Jahre Durststrecken erlebt.

Doch dann kam der „Sturm der Liebe“ im September 2005. In der ARD-Telenovela (montags bis freitags, 15:10 Uhr) spielen Sie seit der ersten Folge den Hotelportier Alfons Sonnbichler. 2009 wurden Sie auch zum beliebtesten Darsteller der Serie gekürt. Was bedeutet Ihnen diese Rolle?

Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich ein solches Format drehen kann und will. Heute weiß ich, dass es die beste berufliche Entscheidung meines Lebens war. Meine Rolle, der Alfons, ist mir sehr ans Herz gewachsen, und auch nach zehn Jahren spiele ich ihn immer noch sehr gern.

Das scheint Sie sehr glücklich zu machen.

Besser geht es nicht. Das ist auch die große Freude, die ich in meinem Alter habe. Dass ich arbeiten darf, dass ich arbeiten kann und auch im Privatleben sehr zufrieden bin – mehr Glück kann man nicht verlangen.

Können Sie sich vorstellen, eines Tages in Rente zu gehen?

Ein Schauspieler geht nicht in Rente. Dieser Beruf ist eine Passion, und diese kann man mit dem Rentenalter nicht einfach ablegen. Solange ich besetzt werde und mir meinen Text merken kann, werde ich auch auf einer Bühne oder vor der Kamera stehen.

Bitte geben Sie den Lesern 3 Tipps für einen „glücklichen Alltag“ – ob 20 oder 60 Jahre alt.

  1. Es gibt einen Satz, den ich sehr gern mag: Ich tue, was ich mag, und ich mag, was ich tue. Dieser Grundsatz hat mich mein ganzes Leben begleitet, denn man kann nicht immer im Leben das tun, was man gerade möchte, aber man kann versuchen, das zu mögen, was man gerade tut.
  2. Auch der Rückhalt in der Familie ist sehr, sehr wichtig. Jeder sollte nach Hause gehen können und keine Rolle spielen müssen. Jeder sollte bei seinen Liebsten einfach er selbst sein dürfen.
  3. Jeder sollte einen Ausgleich im Leben haben, abschalten können. Bei mir ist es das Golfspielen, andere fahren vielleicht lieber mit dem Fahrrad oder machen einen Spaziergang. Was es auch immer ist, jeder sollte die Möglichkeit haben abzuschalten.