Wir leben ihn jeden Tag bei unserer Initiative „Wir versilbern das Netz“. Der Mann zeigt außerdem, dass das Bild, das viele noch von den Großeltern im Kopf haben, die alt und gebrechlich sind, falsch ist.

Dank der Medizin sind sie heute längst gesundheitlich fitter als früher. Sie profitieren von einer deutlich höheren Lebenserwartung. Im Gegensatz zu den Jungen haben sie sogar viele Vorteile auf ihrer Seite: Sie stehen unter keinem Leistungsdruck im Beruf. Dort wie im Privaten haben sie es sich und anderen in der Vergangenheit genug bewiesen – das müssen sie nicht mehr. Sie verfügen über deutlich mehr Zeit für Aktivitäten wie Hobby oder Ehrenamt. Denn trotz aller Einschränkungen, die nerven, kann man noch viel unternehmen.

Aber hier liegt schon der Knackpunkt: Unternehmen! Wichtig ist, dass sie es auch wirklich tun und sich bewusst damit auseinandersetzen. Nach meiner Erfahrung sind die Senioren, die schon in jungen Jahren aktiv und kommunikativ waren, es auch später. Ruhestand hat für sie so gar nichts mit Ruhe zu tun. Was für junge Menschen gilt, gilt für ältere erst recht: Es gibt niemanden da draußen, der einen vom Sofa herunterholt. Nach einem ersten Schritt darf man nicht gleich aufgeben. Hilfreich ist bei einigen die Innenschau. Entwickeln wir nicht alle irgendwann Macken, die man idealerweise bei anderen akzeptieren sollte? Dennoch gibt es so manche Hand, die einem entgegengestreckt wird und einen aus der Einsamkeit holen möchte. Leider hat die aktuell ältere Generation nicht ausreichend gelernt, Hilfe anzunehmen. Ich glaube, dass das bei der kommenden besser gelingt. Angebote finden sich schließlich reichlich: Es gibt überall Sportvereine mit günstigen Mitgliedsbeiträgen. Da geht es nicht um Hochleistung, sondern um viele Angebote zur Bewegung und regelmäßigen Austausch zwischen Jung und Alt. Ehrenämter sind eine Möglichkeit, unter Menschen zu kommen. Selbst wenn man kein Mitglied der Kirchen ist, freuen die sich über Teilnehmer ihrer Programme, genauso wie Seniorentreffs und Nachbarschaftshilfen in neu wachsenden Quartieren.

Ein Stichwort bei allen Aktivitäten ist bekanntlich das lebenslange Lernen. So wie Sie jeden Muskel trainieren können, bringen Sie auch Ihre Gehirnzellen auf Trab. In diesem Sinne führen wir die Generation 65+ durch unsere Ini-tiative „Wir versilbern das Netz“ an die digitale Welt heran. Bisher haben wir mit unserer Initiative rund 4.500 Senioren in Hamburg und Berlin mit in die digitale Welt genommen. Beim „1x1 der Tablets und Smartphones für Menschen 65+“ waren Teilnehmer im Alter zwischen 72 und 87 Jahren. Davon rund 90 Prozent Frauen.

Wir bieten kostenfreie Gesprächsrunden an, bei denen sechs Teilnehmer drei Stunden lang sozusagen das Einmaleins des Internets lernen. Vor Ort oder in unseren Vereinsräumen machen wir Senioren mit dem Web und seinen Technologien vertraut. Geübt wird dann zum Beispiel mit den Seiten der Deutschen Bahn oder sie schicken ihren Urenkeln Nachrichten über WhatsApp. Das Interesse ist riesig. Da gibt es sogar besagten 91-Jährigen, der endlich wissen will, was ein Router ist.

Wir legen großen Wert darauf, sich währenddessen über das Internet und nicht über Gebrechen zu unterhalten. Denn wichtig ist neben dem Lernen eine aktive und frohe Lebensweise. Es gilt, dafür engagiert den Mut zu fassen.