Wie geht es Ihnen und wo befinden Sie sich aktuell?

Heute hatte ich den 800. Tag der Reise. Hier in Kapstadt bin ich aktuell seit 60 Tagen und lebe in einem wunderschönen Haus am Tafelberg des Early Ford Car Club. Außerdem kommt heute mein Motor aus Australien und ich verlängere mein Visum. Allerdings habe ich auch festgestellt, dass ich wohl ärgerlicherweise mein iPad verloren habe.

Wie war bisher der Verlauf Ihrer Reise?

Ich bin jetzt in Afrika auf dem inzwischen fünften Kontinent der Reise. Geplant ist, im April nächsten Jahres nach Deutschland zurückzukehren. Dieses Jahr ist es allerdings nicht so gut gelaufen. Ich hatte im Januar eine Krebsoperation und saß mehrere Monate mit dem Auto fest. Es machte mehr Spaß, wie im vergangenen Jahr, ständig zu fahren.

Warum haben Sie sich überhaupt für diese Reise entschieden?

Meine Kinder meinten, ich würde im Ruhestand sterben, wenn ich nicht arbeite. Irgendwann kam mir die Idee, wie die Rennfahrerin Clärenore Stinnes in den 30er-Jahren einmal um die Welt zu touren. Jeder, dem ich das erzählte, fand das toll. Mir gefiel, dass ich damit eine wirkliche Aufgabe habe.

Ansonsten rattert und scheppert er etwas und wackelt ein bisschen.

Aus heutiger Sicht hätte ich mich besser vorbereiten müssen. Aber dann wären Angst und Ausreden ins Spiel gekommen und ich wäre nicht gestartet. Ich inspiriere auf der Reise auch andauernd Senioren, die Ähnliches geplant hatten. Ich kann ihnen nur raten, die Couch zu verlassen und nicht das Leben der anderen im Fernsehen zu beobachten. Das Leben da draußen ist aufregend. Natürlich gibt es Probleme und weniger Sicherheit. Aber das gehört dazu, sonst wäre es ja langweilig.

Heidi Hetzers "Hudo" bei dem Transport in einem Container - Foto: Privat

Wie sind Sie zu Ihrem Auto, einem Hudson, Baujahr 1930, gekommen?

Er sah optisch dem Fahrzeug von Stinnes ähnlich, deshalb habe ich ihn gekauft. Er ist auch auf meinen Mädchennamen Hetzer zugelassen, den ich dafür extra wieder angenommen habe.

Für viele ist es sogar eine Ehre, es kostenlos zu reparieren. Das kann ich mir in Deutschland so gar nicht vorstellen.

Ich habe ihn sozusagen „geheiratet“ und er ist mir sehr ans Herz gewachsen. Sein Vorbesitzer hieß mit Vornamen Udo. Aus den beiden Worten Hudson und Udo wurde dann Hudo.

Er hat schon seine Eigenheiten. Er ist aber sehr klug und bleibt immer dort stehen, wo ich mich nicht in der Walachei befinde (lacht). Jetzt hat er sich Kapstadt ausgesucht.

Wie fährt es sich in diesem Oldtimer?

Ich sitze sehr gut in sportlichen Schalensitzen, die ich habe einbauen lassen. Außerdem relativ hoch, deshalb schaue ich etwas herab auf die anderen Verkehrsteilnehmer, die winken und lachen. Ansonsten rattert und scheppert er etwas und wackelt ein bisschen.

Wie reagieren die Menschen auf das ungewöhnliche Gefährt im Verkehr?

Selbst wenn ich mal auf die Toilette gehe, bildet sich sofort eine Menschentraube um Hudo herum. Wirklich jeder Mensch hat offensichtlich ein Handy und fotografiert. Im Iran tat das eine Frau, die sich offensichtlich freute, eine weibliche Fahrerin zu sehen.

In Argentinien hat mich ein Oldtimerclub am Ortsrand verabschiedet.

Viele schütteln mit dem Kopf und sagen nur „awesome“. In Usbekistan drängte mich ein Linienbus geradezu von der Straße. Der Fahrer wollte sich mit mir und dem Auto ablichten lassen. Für viele ist es sogar eine Ehre, es kostenlos zu reparieren. Das kann ich mir in Deutschland so gar nicht vorstellen.

  Heidi Hetzer's Weltumfahrung 2014 - 2017

Haben Sie weitere Unterschiede zu Deutschland festgestellt?

Es schien während der gesamten Reise fast zu 90 Prozent die Sonne. Damit lässt sich vielleicht auch ein wenig erklären, warum Menschen in anderen Erdteilen deutlich freundlicher und weniger arrogant sind.

Jeder nimmt sich die Zeit und ist wirklich am anderen interessiert. In Argentinien hat mich ein Oldtimerclub am Ortsrand verabschiedet. Da haben fünf Männer geheult – wo gibt’s denn so was?

Haben Sie zwischendurch mal Heimweh?

Natürlich. Ich vermisse Freunde, Familie und eine gewisse Ordnung. Ich lebe ja seit anderthalb Jahren nur aus Taschen.

Als Unternehmerin mussten Sie viele Probleme lösen. Wie stellen Sie sich Herausforderungen der Reise?

Ich werde deutlich ruhiger und entspannter. Wenn ich zum Beispiel auf das Visum oder den Motor warte, kann ich mich nur ablenken. Die Einheimischen antworten hier: „Morgen ist ein anderer Tag.“ Das sage ich mir inzwischen auch (lacht).

Wie alles begann und wo sich Heidi aktuell befindet lesen Sie hier www.heidi-um-die-welt.com.