Sie werden als lebende Legende bezeichnet. Fühlen Sie sich selbst schon als „Legende“?

Absolut nicht. Natürlich freue ich mich, wenn die Menschen mich beziehungsweise uns so sehen, aber ich sehe mich definitiv nicht so.

Diese Ausgabe heißt „Glücklich im Alter“. Was verbinden Sie damit?

Auch wenn das ein bisschen abgedroschen klinkt, aber für mich bedeutet Glück im Alter, dass man gesund bleibt und immer noch seine Träume hat. Wer aufhört zu träumen, ist quasi schon tot.

Bitte gehen Sie genauer darauf ein.

Man hört nie auf zu träumen – auch nicht, wenn man älter wird. Als ich noch jünger war, habe ich immer geglaubt, dass ältere oder alte Menschen keine Träume mehr haben können. Doch ganz das Gegenteil ist der Fall. Heute weiß ich, dass zu träumen keine Frage des Alters ist. Zudem bin ich der Meinung, dass jeder im Leben eine Aufgabe haben sollte – ob alt oder jung. Ich habe das große Glück, immer noch in meinem Beruf, als Musiker, erfolgreich zu sein. Ich schreibe nach wie vor Texte, komponiere, denke mir mit Kollegen neue Bühnenshows aus und stehe einfach mitten im Leben – das hält jung. Und: Kreativität kennt kein Alter.

„Alt“, was heißt das heutzutage?

Das „alt“ von früher gibt es heute gar nicht mehr. Das ist meine Wahrnehmung. Früher haben sich Frauen mit 50 in lange Mäntel gehüllt, heute tragen sie Minirock und sehen dabei verdammt sexy aus. Aber auch die Männer. Beispielsweise Udo Lindenberg, Mick Jagger oder Thomas Gottschalk. Der Mann ist seit Jahrzehnten nicht gealtert – bis auf seine leicht ergrauten Locken. Und auch wenn ich von mir ausgehe. Ich bin 71 und sehe mich selbst nicht als alten Mann. Meine Fans sehen mich auch nicht so, hoffe ich zumindest (lacht).

Der Spruch „Man ist so alt, wie man sich fühlt“ – beziehungsweise gibt – stimmt schon. Wer sich alt fühlt, der wirkt auch alt. Also ich persönlich fühle mich besser denn je. Mein Leben macht einfach Spaß.

Auch gesundheitlich?

Absolut! Ich werde nicht krank.

Wie meinen Sie das?

Ich habe schon immer gesagt, dass ich nicht krank werde. Und das war auch immer so und ist bis heute so geblieben. Natürlich habe ich ab und zu mal eine Erkältung, aber ernsthaft krank war ich noch nie.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich höre auf meinen Körper, glaube auch an seine Selbstheilungskräfte und habe einfach keine Angst vor Krankheiten. Ich glaube, genau diese Einstellung hält mich gesund. Zudem hasse ich Krankenhäuser. Ich kann sie einfach nicht ertragen. Das einzige Mal, dass ich in einem Krankenhaus war, war bei meiner Geburt und nach einem Zeckenbiss – der leider einige Komplikationen nach sich zog.

Auch mit Spätfolgen?

Die einzige Spätfolge ist, dass ich dadurch aufgehört habe zu rauchen (lacht). Doch ich bin kein Verfechter dieser supergesunden Ernährung. Wenn mein Körper ein Bier will, bekommt er auch eins oder mehrere.

Manche Menschen kommen mit dem Älterwerden nicht zurecht. Wie stehen Sie dazu?

Es gibt welche, die geben sich wie ein junger Hüpfer, obwohl sie es nicht mehr sind. Oder lassen sich operieren und sind danach total entstellt. Das finde ich peinlich.

Wie stehen Sie allgemein zu kleinen optischen Veränderungen durch Nachhelfen?

Also die Haare färbe ich mir auch, und die Augenlider habe ich mir aus gesundheitlichen Gründen operieren lassen, weiter würde ich jedoch nicht gehen. Ich stehe zu jeder meiner Falten, denn sie erzählen mein Leben.

Anlässlich Ihres 70. Geburtstags im vergangenen Jahr, worauf blicken Sie mit Stolz zurück?

Mich macht stolz, dass wir, also die Puhdys und ich, so viel Spaß auf der Bühne hatten – und es geschafft haben, diese Freude an der Musik auch an die Zuhörer weiterzugeben. Außerdem erschien im Rahmen meines 70. mein Soloalbum, was sofort auf Platz 13 der Media-Control-Charts einstieg, und mein Buch „Maschine“, eine Biografie, erschien – darüber bin ich sehr glücklich.

Und privat?

Ich habe die beste Frau der Welt geheiratet und eine wunderbare Familie. Mich macht auch sehr glücklich, dass ich mit meinen zwei Kindern und zwei Enkeltöchtern ein sehr enges Verhältnis habe. Ich bin ein Familienmensch und in der Regel rundum zu-
frieden.

Wie geht es musikalisch weiter?

Mit den Puhdys geht es ja jetzt auf Abschiedstour. Da ein Rocker aber nicht in Rente geht (lacht), mache ich solo weiter. Nächstes Jahr im September erscheint mein neues Soloalbum, an dem ich bereits fleißig arbeite, mit anschließender Tour. Solange die Leute meine Musik hören wollen, werde ich sie für mein Publikum spielen.

Zum Abschluss: Bitte geben Sie unseren Lesern 5 Tipps für das Glücklichsein im Alter.

  • Durchhalten!
  • Zufrieden sein, mit dem, was man hat.
  • Freundschaften pflegen.
  • Die Zeit mit der Familie genießen.
  • Nicht immer übergesund leben, sondern das Leben, Essen und Trinken genießen!