Wie war bisher der Verlauf Ihrer Reise und wohin geht es weiter?

Ich bin Ende August dieses Jahres von Hannover aus gestartet. Nach einer Überfahrt ab Hamburg führt mich meine erste Etappe vom Norden Kanadas tief in den Süden Lateinamerikas.

Was war der Grund für die Reise?

Ich erfülle mir damit einen Traum. Also einmal um die ganze Welt, fremde Länder und Kulturen erleben und Abenteuer bestehen. Ich habe mich mehr als zweieinhalb Jahre darauf vorbereitet.

Dass ich mal auf eine Weltreise gehen würde, stand allerdings schon seit Jahrzehnten fest. Die Frage war nur - wie? Fahrrad, Flugzeug, Mietwagen oder Segelschiff habe ich ausgeschlossen.

In den Cameron Highlands in Malaysia inspirierten mich alte Land Rover. Allerdings las ich, dass andere Reisende in Afrika beim Gang auf die Toilette in freier Natur von Löwen überrascht wurden. Leider kann man aber in einem Rover keine Toilette unterbringen.

Sie sind deshalb jetzt mit einem Truck unterwegs - können Sie den genau beschreiben?

Zuerst wollte ich ein normales Wohnmobil nehmen. Die machen aber leider aufgrund der schlechten Straßen außerhalb von Europa oft Probleme und sind in der Regel auch nicht geländefähig. Irgendwann brechen sie einfach auseinander.

Als ich Mitte 30 war, diagnostizierte er ein Nachlassen des Gehörs im Hochtonbereich.

Also habe ich kurzerhand einen LKW-Führerschein gemacht und mich für ein Expeditionsmobil auf einem geländefähigen Allrad-LKW entschieden.

Jetzt fahre ich einen 12-Tonner vom dänischen Militär aus dem Jahr 1999. Er war schon circa 35.000 Kilometer gelaufen und hat 220 PS. Der Truck trägt fast keine Elektronik. Er hat also ausschließlich Technik, die in allen Ländern repariert werden kann.

Im Fahrzeuginneren gibt es einen komfortablen Wohnbereich mit Küche, Bad und Schlafplatz. Ich habe das von einer Spezialfirma einbauen lassen. Von mir stammen die Ideen und die Planung bis ins kleinste Detail. Ich bin eigentlich Betriebswirt, aber inzwischen im Vorruhestand.

Sie unternehmen den schwierigen Trip trotz Ihrer Hörminderung. Können Sie ihren fortschreitenden Verlauf beschreiben?

Schwimmen und Tauchen waren schon immer meine Leidenschaft. Deshalb muss ich mich beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt regelmäßig untersuchen lassen. Als ich Mitte 30 war, diagnostizierte er ein Nachlassen des Gehörs im Hochtonbereich.

Ich will anderen Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich damals, zeigen, was mit modernen Hörimplantaten wieder möglich wird.

Nach meiner Erfahrung merkt man das als Betroffener erst, wenn es einem andere mitteilen, zum Beispiel, warum man den Fernseher so laut stellt.

Ich habe danach beruflich und privat sehr lange Zeit mit extremen Einschränkungen leben müssen, weil der Hörverlust mittel- bis schwergradig fortschritt. Irgendwann war mein Gehör so schlecht, dass mir selbst leistungsstarke Hörgeräte nicht ausreichend helfen konnten.

Was hat Ihnen geholfen?

Ich wurde 2012 an der Medizinischen Hochschule in Hannover mit einem ersten Cochlea-Implantat versorgt, 2014 mit einem zweiten. Sie sind für andere auf den ersten Blick gar nicht zu sehen, da ich meine Haare etwas länger trage.

Ich kann über eine Fernbedingung die Lautstärke herunterfahren und über ein zweites Programm zum Beispiel die Umweltgeräusche wegfiltern.

Und mit denen konnten Sie wieder hören?

Das war wie ein Wunder. Wie wenn in einem gerade noch dunklen Haus das Licht eingeschaltet wird. Man drückt auf den Knopf und plötzlich ist man im hellen Leben. Wie es ist, blind zu sein, können die meisten begreifen.

Dafür braucht man nur die Augen zu schließen. Aber nicht mehr hören zu können, kann sich mit der gesamten Problematik niemand vorstellen, der nicht betroffen ist. Aber dank der Implantate war mein Gehör wieder da. Das war eine Sensation.

Würden Sie anderen Betroffen auch dazu raten?

Ich will anderen Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich damals, zeigen, was mit modernen Hörimplantaten wieder möglich wird. Durch die Versorgung habe ich zu meinem früheren, aktiven Leben zurückgefunden.

Ich möchte anderen Mut machen und ihnen raten, nicht so viel Zeit und Lebensqualität zu verschenken, wie ich es über Jahre getan habe. Auf der Webseite www.hoerreise.net berichte ich über meine Reise und sie können mir dort gern folgen.